Das Bewusstsein nach dem Tod

Gemäß der HIW besteht alle Materie aus einer Software- und einer Hardware-Version. Das gilt selbstverständlich auch für unseren menschlichen Körper, es gibt ihn als Software- und als Hardware-Körper.
Zum Software-Körper muss ich nicht viel sagen, den kennt jeder bestens. Ihn nehmen wir mit den Sinnen wahr, er altert, bereitet uns Probleme in Form von Krankheiten und stirbt schließlich. Anders der Hardware-Körper in der inneren Welt. Er stellt unsere intrinsische Natur dar und ist wie alles in der inneren Welt unvergänglich, daher überdauert er den Tod. Er setzt sich aus allen Hardware-Molekülen unseres Körpers zusammen. Die sind teilweise nicht-individuell, das sind alle kleineren Hardware-Moleküle, die wir mit anderen Lebewesen gemeinsam haben. Es gibt aber in unserem Hardware-Körper auch sehr viele individuelle Hardware-Moleküle. Die sind typisch für uns, es gibt sie in keinem anderen Hardware-Körper. Ein Beispiel sind die Hardware-Rezeptormoleküle im Gehirn, aus denen unser Bewusstsein hervorgeht. Sie sind riesig und das macht sie individuell. Bezeichnen wir ab sofort als unseren Hardware-Körper die Gesamtheit aller individuellen Hardware-Moleküle. Dann ist er durchaus ähnlich zu dem, was man traditionsgemäß als unsere Seele bezeichnet.
Aber der Hardware-Körper alleine genügt noch nicht für ein neues Leben nach dem Tod. Es muss auch wieder ein Bewusstsein mit einem Erleben geben. Im jetzigen Leben wird es dominiert von den Einfaltungsvorgängen im Bewusstseins-Netzwerk des Gehirns. Die gibt es aufgrund der massenhaften Neubildung der Software-Rezeptormoleküle. Mit dem Tod hört das auf. Mit ihm verschwindet daher unser jetziges Bewusstsein, und zwar für immer.
Aber unser den Tod überdauernde Hardware-Körper ist in der inneren Welt nicht isoliert. Tatsächlich ist in ihr alles miteinander verbunden. Fangen wir mit den Hardware-Atomen an. Die bestehen alle aus den gleichen Bausteinen, dem Hardware-Proton, -Neutron und -Elektron. Das verbindet alle Hardware-Atome miteinander. Jetzt zu den Hardware-Molekülen. Die sind nicht nur über die Bausteine der Hardware-Atome miteinander verbunden, jedes Hardware-Molekül ist mit sehr vielen anderen Hardware-Molekülen noch enger verbunden, da eins oder mehrere ihrer Hardware-Atome gleich sind. Sehr ausgeprägt ist das bei den Hardware-Molekülen, die in den Lebewesen dominieren, sie enthalten alle den Hardware-Kohlenstoff. Kommen wir jetzt zu den Menschen. Unsere Hardware-Moleküle sind untereinander sehr ähnlich. Daher ist der Hardware-Körper jedes Menschen mit den Hardware-Körpern aller anderen Menschen eng verbunden. Es gibt auch eine Verbindung zu den Hardware-Körpern aller Tiere. Aber sie ist sehr viel schwächer, kann daher vernachlässigt werden.
Machen wir nun ein Gedankenexperiment und betrachten eineiige Zwillinge, nennen wir sie Kevin und Hans. Ihre Hardware-Körper sind aufs Engste miteinander verbunden, weil die Hardware-Gene identisch und die Hardware-Proteine besonders ähnlich sind.
Kevin betrachtet eine rote Kugel. Das verändert die Hardware-Rezeptormoleküle (das sind Hardware-Proteine) im Modul „Rot“ und im Modul „Kugel“ im Gehirn von Kevin und er erlebt die rote Kugel. Da nun aber die entsprechenden Hardware-Rezeptormoleküle von Hans eng mit denen von Kevin verbunden sind, werden sie ebenfalls verändert, wenn auch indirekt über die Verbindung zu denen von Kevin. Das bewirkt, dass auch im Bewusstsein von Hans die rote Kugel auftaucht, allerdings stark abgeschwächt. Daher wird sie vom eigenen Bewusstsein von Hans überdeckt. Aber plötzlich hat Hans, noch während Kevin die rote Kugel betrachtet, einen Herzstillstand. Seine Gehirntätigkeit setzt damit aus. Dann erlebt er die rote Kugel. Allerdings ist das Erleben nicht nur stark abgeschwächt, es gibt noch einen weiteren Unterschied. Denn das Erleben der roten Kugel ist nicht „sein“ Erleben, es ist das Erleben von Kevin, das Hans übernommen hat. Das bedeutet ein wesentlich distanzierteres Erleben.
Wobei es überhaupt keine Rolle spielt, wo sich Kevin und Hans befinden. Sie können beliebig weit voneinander entfernt sein. Hans wird wiederbelebt und man fragt ihn nach der roten Kugel. Er kann sich nicht daran erinnern. Weil es ja nichts mit seiner eigenen Gehirntätigkeit zu tun hatte. Man kann sich nur an das erinnern, was aufgrund der eigenen Gehirntätigkeit erlebt wurde. Vielleicht berichtet er von einem Tunnel und einem hellen Licht. Aber das hat nichts mit dem Bewusstsein von Kevin zu tun, das stellt ein Erleben dar, was von seiner eigenen noch vorhandenen Gehirntätigkeit kurz nach dem Herzstillstand bewirkt wurde.
Das war natürlich stark vereinfacht. Denn Hans ist ja nicht nur mit Kevin verbunden, sondern auch mit allen anderen Menschen. Während seines Herzstillstandes erlebt er daher nicht nur das, was Kevin erlebt, sondern auch das, was alle anderen Menschen, das sind aktuell etwa 7,5 Milliarden, erleben. Mit den zwei bereits genannten Unterschieden. Also wesentlich schwächer als die Original-Erleben und stark distanziert, denn es kommt nicht vom eigenen Bewusstsein. Es gibt aber noch einen dritten Unterschied: Das Erleben von Hans ist sehr viel weniger strukturiert. Denn es überlagern sich 7,5 Milliarden unterschiedliche Erleben und damit verschwinden alle Details. Was das bedeutet, ist schwer zu sagen. Ich vermute, dass dann die Gefühle im Mittelpunkt stehen. Hans erlebt also während seines Herzstillstands die Überlagerung aus den Freuden, Ängsten und Schmerzen aller Menschen. Allerdings, ich will das nochmals betonen, jeweils stark abgeschwächt und insgesamt sehr distanziert. Wie muss man sich das vorstellen? Es könnte so ähnlich sein, wie wenn man einen Film anschaut und sich in das Erleben des Hauptdarstellers hineinversetzt. Man leidet mit ihm, man freut sich mit ihm, aber es ist nicht das eigene Leiden und Freuen. Allerdings schaut Hans 7,5 Milliarden Filme gleichzeitig an. Wäre die Menschheit während des Herzstillstandes von Hans gerade vollkommen glücklich, dann wäre auch Hans vollkommen glücklich. Das ist selbstverständlich nicht der Fall, das Erleben von Hans wird daher eine Mischung aus Himmel und Hölle sein.
Das formuliere ich nochmals ganz allgemein: Betrachten wir ein beliebiges Hardware-Objekt. Falls bei ihm gerade Einfaltungsvorgänge stattfinden, dann hat es Bewusstsein gemäß dem Grundprinzip des Bewusstseins. Nennen wir es das direkte Bewusstsein, weil es von der direkten Veränderung des Hardware-Objekts erzeugt wird. Es hat aber noch ein zweites Bewusstsein. Denn aufgrund der Verbundenheit in der inneren Welt gibt es auch ein globales Bewusstsein, bestehend aus der Gesamtheit aller direkten Bewusstseine. Jedes Hardware-Objekt nimmt an diesem globalen Bewusstsein teil, weil es indirekt von ihm verändert wird. Wobei die Teilnahme unterschiedlich ausfällt, denn es dominieren jeweils die direkten Bewusstseine der besonders ähnlichen Hardware-Objekte. Allerdings wird die Teilnahme am globalen Bewusstsein immer dann massiv unterdrückt, wenn das betrachtete Hardware-Objekt ein eigenes direktes Bewusstsein hat.
Zurück zu Hans. Er erholt sich, leider aber nur vorübergehend. Kurz darauf stirbt er. Sein eigenes direktes Bewusstsein verschwindet dann für immer. Aber sein Hardware-Körper ist nach wie vor vorhanden und nach wie vor eng mit denen aller anderen Menschen verbunden. Daher erlebt er nach dem Tod genau das, was er während seines Herzstillstandes erlebt hat. Also das globale Bewusstsein, das von den direkten Bewusstseinen aller anderen Menschen dominiert wird. Ich habe es als die Mischung aus Himmel und Hölle beschrieben. Selbstverständlich erleben alle Verstorbenen das gleiche globale Bewusstsein. Was bedeutet, dass das vergangene irdische Leben keinen Einfluss auf die Qualität des neuen Lebens ausübt. Es ist vielmehr völlig abhängig von der Gesamtheit der lebenden Menschen. Anders ausgedrückt: Das Leben nach dem Tod ist das Abbild der menschlichen Gesellschaft. Wirklich erstrebenswert ist das also nicht. Aber es gibt einen Ausweg.