Wie Bewusstsein entsteht

Die Hypothese der inneren Welt (HIW) liefert zwei Prozesse in Zusammenhang mit der intrinsischen Natur: Den Ein- und den Entfaltungsvorgang. Könnte einer der beiden Prozesse zu Bewusstsein und damit zu einem Erleben führen? Hierzu müssen wir die grundsätzliche Frage stellen, warum es überhaupt zu einem Erleben kommt. Ausgangspunkt ist die intrinsische Natur. Für mich kann es nur eine Antwort geben: Es kommt nur dann zu einem Erleben, wenn die intrinsische Natur verändert wird. Das Erleben besteht aus dem, was sie verändert. Dann muss sie auch ein Erlebender sein, denn sie ist ja vom Erleben betroffen, weil es das ist, was sie verändert. Das stellt das Grundprinzip des Bewusstseins dar. Und es passt genau zum Einfaltungsvorgang. Dazu wieder zurück zum Wasserstoffatom.
Wenn sich ein Software-Wasserstoffatom neu bildet, dann bedeutet das eine neue räumliche Beziehung. Die wird „eingefaltet“ und so zu einer neuen inneren Beziehung des Hardware-Wasserstoffatoms (= intrinsische Natur). Es wird dadurch verändert und das ist genau das, was Bewusstsein erzeugt. Das Hardware-Wasserstoffatom ist der Erlebende und das, was es erlebt, ist die neue innere Beziehung. Man kann es aus der Sicht des Hardware-Wasserstoffatoms auch so formulieren: „Ich erlebe das, was mich verändert“.
Das Grundprinzip des Bewusstseins gilt natürlich nicht nur für ein sich neu bildendes Software-Wasserstoffatom, sondern für alle sich neu bildenden Software-Atome und -Moleküle. Im Moment der Neubildung wird das dazugehörige Hardware-Atom oder -Molekül aufgrund des Einfaltungsvorgangs verändert. Denn es kommt bei ihm etwas Neues in Form von neuen inneren Beziehungen hinzu. Das erzeugt Bewusstsein. Das Hardware-Atom oder -Molekül (= intrinsische Natur) ist der Erlebende und es erlebt die neuen inneren Beziehungen. Das stellt ein extrem kurzzeitiges Erleben dar, denn der Veränderungsprozess ist sehr schnell beendet. Und wenn keine Veränderung mehr stattfindet, verschwindet auch das Bewusstsein. Man kann daher sagen, dass bei jedem sich neu bildenden Software-Atom oder -Molekül das dazugehörige Hardware-Atom oder -Molekül einen „Bewusstseinsblitz“ erfährt. Der Inhalt des Bewusstseinsblitzes, also das Erleben, ist nicht-räumlich. Der Erlebende ist zwar auch nicht-räumlich, allerdings an das sich neu bildende Software-Atom oder -Molekül und damit an die räumliche Welt angebunden. Das gilt auch für unser menschliches Bewusstsein und macht es so merkwürdig. Denn einerseits scheint unser Erleben tatsächlich nicht-räumlich zu sein, andererseits aber ist es im Gehirn lokalisiert. Das Grundprinzip des Bewusstseins kann dies erklären.
Mein Ausgangspunkt war ja die gemäßigte Variante des Zwei-Aspekte-Monismus. Aber ich mußte den bislang unbekannten Prozess finden, der aus Proto-Bewusstsein Bewusstsein macht. Ich habe ihn gefunden, es ist der Einfaltungsvorgang. Aber das ist noch nicht alles. Denn wie von mir erläutert, gibt es noch zwei Probleme zu lösen, das Kombinations- und das Dominanz-Problem. Sie können gelöst werden, das erläutere ich in einem späteren Abschnitt.
Erlebt werden die neuen inneren Beziehungen. Zu ihnen selbst kann die HIW nichts sagen, sie ist wie die gesamte intrinsische Natur der Physik nicht zugänglich. Nur über unser menschliches Bewusstsein können wir etwas über sie erfahren, das war ja auch genau der Ausgangspunkt von Bertrand Russell in seinem Essay „Mind and Matter“. Tatsächlich erfahren wir mittels unseres menschlichen Bewusstseins allerdings nur etwas über die neuen inneren Beziehungen. Also nur über einen Teil der intrinsischen Natur. In unserem Gehirn, ich greife da etwas vorweg, werden ständig neue räumliche Beziehungen und damit neue innere Beziehungen in unermesslicher Zahl erzeugt. Sie sind die winzigen Bausteine unseres Bewusstseins und das Gehirn setzt sie zu unserem strukturierten und einheitlichen Bewusstsein zusammen. Wenn Sie eine rote Kugel betrachten, dann taucht sie in Ihrem Bewusstsein auf. Sie erleben die rote Kugel und sowohl das „Rot“ als auch die „Kugel“ setzen sich aus inneren Beziehungen zusammen. Es gibt große Unterschiede bei den räumlichen Beziehungen und die führen zu großen Unterschieden bei den inneren Beziehungen. Das „Rot“ wird daher aus ganz anderen inneren Beziehungen als die „Kugel“ gebildet.
Der Zwei-Aspekte-Monismus ist eng verwandt mit dem Panpsychismus. Der sagt, dass alles Bewusstsein hat, auch schon ein Elementarteilchen. Das stimmt nicht ganz, denn Elementarteilchen haben niemals Bewusstsein. Zwar können sich Software-Elementarteilchen neu bilden, das geschieht zum Beispiel massenhaft bei den Experimenten beim LHC (Large Hadron Collider) in Genf. Aber ihre Neubildung führt nicht zu neuen räumlichen Beziehungen. Daher gibt es keine Einfaltungsvorgänge. Was bedeutet, dass die Hardware-Elementarteilchen niemals verändert werden. Dadurch kennen sie kein Bewusstsein.