Das Heilprinzip „Hoffnung auf Gesundheit“

Natürlich liefert diese Website keinen Beweis für ein Leben nach dem Tod. Aber einen Hinweis. Ich denke auch, dass es ein „starker“ Hinweis ist. Schließlich kommt er von den Naturwissenschaften und nicht von den Religionen oder den Nahtoderfahrungen. Das sollte in jedem Fall die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod stärken. Möglicherweise sogar dazu führen, dass Sie jetzt davon überzeugt sind, dass es das neue Leben nach dem Tod wirklich gibt. Was bedeutet das dann für Ihr jetziges Leben? Das ist ziemlich klar, sie sollten dann keine Angst mehr vor dem Tod haben. Was hat das für Konsequenzen? Wie ich jetzt erläutern werde, sollte es sich positiv auf den Heilungsprozess von Krankheiten, insbesondere von schweren Krankheiten, auswirken.

Betrachten wir zunächst zwei verschiedene Szenarien.

Szenario 1: Sie wachen morgens auf und fühlen sich hundeelend. Also gehen Sie zum Arzt Dr. X, der Sie daraufhin gründlich untersucht. Nachdem er Sie untersucht hat, erklärt er Ihnen, dass er nicht genau sagen könne, um welche Art von Erkrankung es sich hier handelt, dass es möglicherweise aber auch etwas Bösartiges sein könnte. Um dies genauer zu diagnostizieren, überweist er Sie an einen Spezialisten, mit dem Sie einen Termin für die nächste Woche vereinbaren. Sie kommen nach Hause und fühlen sich noch schlechter.

Szenario 2: Sie wachen morgens auf und fühlen sich hundeelend. Also gehen Sie zum Arzt Dr. Y, der Sie daraufhin gründlich untersucht. Nachdem er Sie untersucht hat, beruhigt er Sie mit der Feststellung, dass er genau wisse, um was es sich hier handelt. Es sei die Krankheit Z, und dagegen gebe es ein erprobtes Medikament. Er verschreibt Ihnen dieses Medikament, und Sie nehmen es gemäß seiner Anweisung ein. Eine Woche später sind Sie wieder topfit, und das bleibt auch so.

Nehmen wir nun an, dass es sich auch im Szenario 1 um die Krankheit Z gehandelt hat und dass das vom Arzt verordnete Medikament in Szenario 2 lediglich eine Zuckerpille ohne jeden Wirkstoff war. Wie lässt sich das erklären?

Die Erklärung ist die Folgende: Im Szenario 1 haben Sie aufgrund der diffusen und beunruhigenden Aussage des Arztes starke Angst. Es ist diese Angst, die dazu führt, dass Sie sich nach dem Arztbesuch noch schlechter fühlen. Denn diese Angst behindert die Selbstheilungskräfte, die jeder Mensch besitzt und die stark unterschätzt werden. Im Szenario 2 hingegen ist infolge der klaren und beruhigenden Diagnose des Doktors Ihre durch die Krankheit hervorgerufene Angst nach dem Arztbesuch wieder verflogen. Denn in Ihrem Denken dominiert die Vorstellung, dass Sie wieder völlig gesund werden. Dadurch sind die Selbstheilungskräfte voll wirksam und es kommt binnen kurzer Zeit zur Heilung, obwohl gar kein echtes Medikament im Spiel war.

Damit will ich nicht behaupten, dass alle Krankheiten völlig ohne Medikamente geheilt werden können. Manchmal kommt man nicht um Medikamente herum. Aber sehr oft sind sie nicht wirklich notwendig, da sie den Heilungsverlauf lediglich beschleunigen. Das wäre auch so im geschilderten Beispiel. Hätte der Arzt Ihnen im Szenario 2 ein echtes Medikament gegeben, wären Sie vielleicht bereits nach drei oder vier Tagen statt nach einer Woche wieder gesund gewesen. Doch aufgrund der möglichen Nebenwirkungen des Präparats hätte sich für Sie auch das Risiko erhöht, bald schon wieder an etwas anderem zu erkranken. Genau das ist der kritische Punkt, an dem unser Gesundheitswesen „krankt“: Alles muss sofort mit Medikamenten kuriert werden. Denn nur so wird schließlich „Kasse gemacht“. Kaum ein Arzt wird Ihnen sagen, dass Sie zur Heilung Ihrer Beschwerden kein Medikament benötigen, weil Sie auch von alleine wieder gesund werden können.

Aus diesem Grund sagt der Psychologe Harald Walach auch absolut zu Recht, dass für unser Gesundheitssystem in Zukunft ein völliges Umdenken notwendig ist. Seiner Meinung nach muss der alternativen Medizin, wie zum Beispiel homöopathischen Behandlungsmethoden, eine wesentlich größere Bedeutung beigemessen werden als bisher. Zwar sind die genauen Wirkungsmechanismen der Alternativmedizin oft unklar. Aber in vielen Fällen hat sie erwiesenermaßen eine medikamentenähnliche Wirkung.

Entscheidend dafür, dass sich die Selbstheilungskräfte entfalten können, ist also die Beseitigung der Angst. Das ist das Heilprinzip „Hoffnung auf Gesundheit“. Damit es funktioniert, müssen die folgenden drei Voraussetzungen erfüllt sein: Erstens muss der Heiler vom Patienten als Autorität betrachtet werden. Zweitens muss dieser ihm eine plausible „Geschichte“ erzählen, also etwas, das den Patienten davon überzeugt, dass er geheilt werden wird. Und drittens muss es auch ein Ritual geben. Bei der Homöopathie ist das zum Beispiel die ausgeklügelte Zubereitung des Medikaments, bei der Akupunktur das Setzen der Nadeln, beim Reiki das Handauflegen etc. Erst wenn diese drei Faktoren zusammenwirken, verschwindet die Angst und es wirkt das Heilprinzip „Hoffnung auf Gesundheit“.

Das Heilprinzip „Hoffnung auf Gesundheit“ gilt im Übrigen nicht nur für die Alternativmedizin, sondern für jede Art von medizinischer Therapie. Ganz gleich, ob es um die Behandlung durch einen Chefarzt oder die Heilung durch einen Schamanen geht. Stets wird dabei neben den möglichen körperlichen Effekten auch neue Hoffnung erzeugt: Hoffnung, die die Angst vermindert und dadurch die Selbstheilungskräfte aktiviert.

In der offiziellen medizinischen Terminologie wird das Heilprinzip „Hoffnung auf Gesundheit“ als „Placebo-Effekt“ bezeichnet. Im Zusammenhang mit dem Placebo-Effekt taucht in der Literatur häufig die Geschichte von Henry Beecher auf. Beecher arbeitete im Zweiten Weltkrieg als Militärarzt in einem US-Lazarett. Als ihm während der Versorgung Verwundeter irgendwann das Schmerzmittel ausging und es keinen Nachschub mehr gab, kam ihm eine Idee: Er spritzte den Soldaten eine eigentlich wirkungslose Kochsalzlösung, sagte ihnen aber, dass es sich hierbei um das übliche Schmerzmittel handele. Mit dem verblüffenden Ergebnis, dass diese medizinisch an sich wirkungslose Substanz bei fast allen die gleiche schmerzlindernde Wirkung hatte wie das echte Mittel.

Die zentrale Bedeutung der ärztlichen Autorität bestätigen auch die verschiedenen Versuche des bekannten italienischen Neurologen und Placebo-Forschers Fabrizio Benedetti. Bei der Verabreichung echter Schmerzmittel an seine Patienten beobachtete er Folgendes: Wenn er den Patienten das Medikament persönlich gab und dabei auch dessen Wirksamkeit lobte, so hatte es eine wesentlich größere Wirkung, als wenn er es den Patienten ohne ihr Wissen in einer Infusionsmaschine verabreichte. Nach dem, was ich bereits über die Wirkung des Heilprinzips „Hoffnung auf Gesundheit“ gesagt habe, dürfte klar sein, warum: Wenn er das Schmerzmittel selbst verabreichte, so erzeugte er beim Patienten durch seine ärztliche Autorität Hoffnung, was zur Beseitigung der Angst und damit zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte führte. Wurde das Mittel hingegen anonym in der Infusionsmaschine verabreicht, so erfolgte keine Beseitigung der Angst, weshalb die medizinische Wirkung des Schmerzmittels dann auch deutlich schwächer ausfiel.

Hier kurz noch einmal die Zusammenfassung des Heilprinzips „Hoffnung auf Gesundheit“: Die Hoffnung auf Gesundheit führt zur Beseitigung der Angst bei Krankheiten. Was dazu führt, dass die durch die Angst unwirksam gewordenen Selbstheilungskräfte wieder funktionieren. Und die Selbstheilungskräfte sind sehr wirksam, sie tragen entscheidend zur Heilung bei. Ganz wichtig ist also, dass bei jeder Krankheit die Hoffnung auf Heilung im Vordergrund steht. Meistens muss man selbst hierfür gar nichts tun, da der Arzt die Hoffnung liefert, indem er versichert, dass man geheilt wird.

Was aber könnte die Angst bei schweren Krankheiten beseitigen oder zumindest vermindern und dadurch die Heilungschancen verbessern, wenn der Arzt nur noch wenig Hoffnung auf Heilung liefern kann? Dann hilft die Überzeugung, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Angst entsteht immer dann, wenn eine reale oder vorgestellte Existenzbedrohung vorliegt. Bei allen schweren Krankheiten ist diese Existenzbedrohung natürlich immer der mögliche eigene Tod. Diese Angst wäre jedoch hinfällig, wenn wir wüssten, dass der Tod für uns letztlich gar keine Existenzbedrohung darstellt. Dann könnten wir auch lebensbedrohliche Krankheiten wesentlich gelassener sehen. Denn selbst wenn uns der Arzt keine Hoffnung auf Heilung mehr machen kann, bleibt uns ja in jedem Fall die Gewissheit eines Weiterlebens nach dem Tod. Und genau das vermindert die Angst. Was wiederum durch die damit verbundene Aktivierung der Selbstheilungskräfte die Heilungschancen erhöht. Bei jeder Prüfung gibt es das gleiche, eigentlich widersprüchliche Phänomen: Die Chancen für das Bestehen werden deutlich besser, wenn man durchfallen darf.