Das neue Weltbild

Nehmen wir einmal an, es würde alles stimmen, was ich in diesem Buch gesagt habe. Was hätte das für Konsequenzen? Nun, es würde auf ein ganz neues Weltbild hindeuten. Ich darf nochmals daran erinnern, dass die Naturwissenschaften, ausgehend von der Physik, bislang voll und ganz auf dem materiellen Weltbild basieren. Es gibt für sie nur Raum und Materie, sonst nichts. Und die Materie wird vollständig von der Physik erfasst. Allerdings gibt es starke Hinweise, dass das nicht alles sein kann. Das geht schon bei der Physik los. Das Phänomen der Verschränkung lässt sich im Rahmen des materiellen Weltbilds nicht erklären. Auch nicht ansatzweise. Vor allem aber zeigt unser Bewusstsein seine Grenzen, indem es sich jeder naturwissenschaftlichen Erklärung bis jetzt völlig entzogen hat. Das führte aber bislang nicht dazu, dass die Naturwissenschaften das materielle Weltbild in Frage stellten oder zumindest für unvollständig hielten. Es galt und gilt vielmehr in den Naturwissenschaften der Grundsatz, dass das materielle Weltbild alles erklären kann. Wenn nicht jetzt, dann irgendwann in der Zukunft.
Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass alle Einwände gegen das materielle Weltbild bislang eher von religiöser oder esoterischer Seite kamen. Damit konnten die Naturwissenschaftler nichts anfangen. Ich halte mir nun zugute, dass ich zeigen kann, dass sich das materielle Weltbild auch von der naturwissenschaftlichen Seite her ändern lässt. Wobei ich das materielle Weltbild nicht in Frage stelle, sondern nur ergänze. Ich nenne das die Hypothese der inneren Welt (HIW). Sie macht eine nicht-esoterische Erklärung des Bewusstseins möglich. Und sie greift tief in Themen hinein, die bislang den Religionen und der Philosophie vorbehalten waren. Das sind die Fragen nach der Existenz der Seele und dem Leben nach dem Tod. Die HIW führt bei beiden Fragen zu ganz anderen Antworten, als sie die bisherigen Naturwissenschaften liefern.
Ich habe zwei Versionen des Lebens nach dem Tod vorgestellt. Die eine, die christliche, setzt die Existenz Gottes voraus, die andere nicht. Daher zum Abschluss noch ein paar Gedanken zu Gott. Tatsächlich bringt die HIW auch hierzu einen neuen Aspekt. Klar ist natürlich, dass es im Rahmen der jetzigen Naturwissenschaften keinen Platz für Gott gibt. Zudem meinen sie, dass sie Gott gar nicht benötigen, weil sie alles ohne ihn erklären können. Wenn nicht jetzt, dann irgendwann in der Zukunft. Gott ist daher überflüssig. Dazu gibt es folgende Anekdote: Der französische Astronom Laplace (1749-1827) schrieb zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Buch mit dem Titel „Himmelsmechanik“, das er Napoleon (1769-1821) vorstellte. Offensichtlich hat dieser es trotz der anspruchsvollen Mathematik wirklich gelesen. Jedenfalls soll es daraufhin folgende Unterhaltung zwischen den beiden gegeben haben, in der Napoleon sagte: „Newton sprach in seinem Buch von Gott. Ich habe das Ihrige schon durchgesehen und dabei diesen Begriff kein einziges Mal gefunden“. Woraufhin Laplace erwiderte: „Bürger und Erster Konsul, ich habe dieser Hypothese nicht bedurft.“
Die Existenz Gottes läuft auf die Frage hinaus, ob das Universum reiner Zufall ist, wie es die Naturwissenschaften behaupten, oder ob nicht doch eine Absicht dahintersteckt.
Der Zufall hat ein Riesenproblem, das ist die sogenannte Feinabstimmung der Naturkonstante. Insbesondere die Quantentheorie enthält viele Naturkonstanten. Deren Werte, das ist wichtig, ergeben sich nicht aus ihr, sondern können frei gewählt werden. Nur ein einziger Satz von Werten passt aber zu unserem Universum. Soll die Quantentheorie mit der Realität übereinstimmen, dann muss genau der zu unserem Universum passende Satz von Werten der Naturkonstanten in sie eingesetzt werden.
Es gibt mindestens einen Planeten im Universum mit Lebewesen. Die basieren auf dem Kohlenstoff. Ist seine Existenz selbstverständlich? Nein, überhaupt nicht, es ist vielmehr ein unglaubliches Wunder. Denn nur der zu unserem Universum passende Satz von Werten der Naturkonstanten garantiert die Existenz des Kohlenstoffs. Bereits geringste Abweichungen würden ihn verhindern. Das nennt man die Feinabstimmung der Naturkonstanten. Eines der größten Rätsel überhaupt.
Wer hat für die Feinabstimmung der Naturkonstanten gesorgt? Die Physiker gehen davon aus, dass sich die Werte der Naturkonstanten beim Urknall völlig zufällig ergeben haben. Aber die Wahrscheinlichkeit, zufällig die genau richtigen für die Entstehung des Kohlenstoffs zu finden, war absurd gering. Das schreit nach einer tiefergehenden Erklärung. Für alle gläubigen Menschen wird sie von Gott geliefert. Er hat das Universum geschaffen. Mit den richtigen Werten der Naturkonstanten, damit seine Absicht, das sind wir Menschen, realisiert werden konnte.
Aber es gibt noch eine weitere Erklärung und die basiert auf dem Zufall. Das ist das Multiversum. Demnach existiert nicht nur ein einziges Universum, sondern es existieren unermesslich viele Universen. Alle mit zufällig gefundenen und damit unterschiedlichen Sätzen von Werten der Naturkonstanten. Dann gibt es ein paar Universen, unseres gehört dazu, mit den genau richtigen Werten der Naturkonstanten für die Entstehung des Kohlenstoffs. Und das ohne irgendeine Absicht.
Allerdings hat das Multiversum einen grundsätzlichen Schwachpunkt. Denn bis auf unser Universum lassen sich alle anderen Universen nicht nachweisen. Daher ist das Multiversum spekulativ. Solange keine bessere Erklärung für den Zufall gefunden wird, ist er daher genauso spekulativ wie Gott.
Die HIW bringt jetzt einen neuen Aspekt ins Spiel. Das Universum besteht aus der räumlichen und der mit ihr eng verbundenen inneren Welt. Die räumliche Welt ist kreativ, sie schafft Neues. Nicht nur in ihr selbst, sondern auch in der inneren Welt. Das zeigt sich besonders eindrucksvoll bei den Neo-Seelen. Jedes Lebewesen, nicht nur der Mensch, hat eine Neo-Seele. Und alle wurden zusammen mit den Lebewesen geschaffen, und sie sind, da sie sich in der inneren Welt befinden, für die Ewigkeit bestimmt. Kombinieren wir das mit der Feinabstimmung der Naturkonstanten als der Voraussetzung für Leben. Was stellt die bessere Erklärung dar, der Zufall oder die Absicht. Ich hoffe, Sie stimmen mit mir überein, dass das die Absicht ist. Was bedeutet, dass Gott existiert.
Gemäß der christlichen Seelenlehre werden alle Seelen von Gott im Moment der Zeugung geschaffen. Das ist jetzt unnötig, Gott musste nur die richtigen Voraussetzungen schaffen. Das waren die Feinabstimmung der Naturkonstanten und die Positionierung der inneren Naturen in der inneren Welt.
Aber ist der Gott der Absicht auch der Gott der Religionen? Also der Gott der Christen, oder Allah, der Gott der Moslems? Sie sind keine abstrakten Wesenheiten, sondern personale Götter. Man betet sie an, man bittet sie um etwas. Der Gott der Absicht könnte zwar ein personaler Gott sein, das ist aber keinesfalls zwingend. Trotzdem sollte es alle religiösen Menschen, sofern sie meine Argumentation akzeptieren, in ihrem Glauben stärken.