Wie unser Bewusstsein erzeugt wird

Das Thema „Bewusstsein“ ist zwar uralt, wirklich voran aber ist man bislang noch nicht gekommen. Mit dem Bewusstsein beschäftigen sich die Physiker eher weniger, das ist hauptsächlich ein Thema für die Philosophen und die Neurowissenschaftler. Die Philosophen versuchen dem Bewusstsein durch reines Nachdenken auf die Spur zu kommen. Bislang ohne Erfolg. Die Neurowissenschaftler schauen sich das Gehirn sehr genau an. Dem Bewusstsein sind sie aber dadurch auch nicht nähergekommen. Woran liegt das? Es liegt daran, dass die Philosophen und Neurowissenschaftler in der Regel Anhänger des völlig überholten materiellen Weltbildes sind. Für sie gibt es nur die Materie, sonst nichts. Das Bewusstsein muss für sie deshalb eine Eigenschaft der Materie sein. Aber wie aus der Materie beispielsweise das Rot des Sonnenuntergangs entsteht, das können sie nicht sagen. Da gibt es nicht den Hauch eines Ansatzes.

Zunächst habe ich mich überhaupt nicht mit unserem Bewusstsein beschäftigt. Vielmehr wollte ich die beiden großen Rätsel der Quantenphysik, das sind das Messproblem und die Verschränkung, lösen. Wie ich hier auf dieser Website ausführlich erläutere, führte mich das zur inneren Welt. Sie ist eine Welt aus reiner Information, losgelöst von Materie, Energie, Raum und Zeit. Die innere Welt ist mit der materiellen Welt aufs Engste verbunden, denn es herrscht zwischen beiden ein intensiver Informationsaustausch. Natürlich fragte ich mich irgendwann, ob dieser Informationsaustausch nicht irgendetwas mit unserem Bewusstsein zu tun haben könnte. Schließlich kann man ja unser Bewusstsein abstrakt gesprochen als Information betrachten, die in unserem Gehirn auftaucht. Und es taucht sehr viel Information aus der inneren Welt in unserem Gehirn auf. Denn wie Sie wissen, kommt es bei jedem sich neu bildenden Atom oder Molekül zum Auftauchen der passenden Abbilder aus reiner Information am Ort des sich neu bildenden Atoms oder Moleküls. Das sorgt für seine Superpositionszustände, was seine Stabilität bewirkt. Tatsächlich werden im Gehirn ständig Moleküle in riesigen Mengen neu gebildet. Erzeugen die dabei auftauchenden Abbilder unser Bewusstsein?

Ich betrachtete zunächst ein einzelnes Atom beziehungsweise Molekül. Hat es auch Bewusstsein? Um diese Frage beantworten zu können, musste ich das „Grundprinzip des Bewusstseins“ finden. Ich gelangte schließlich zu folgendem Grundprinzip: Bewusstsein ist die Wahrnehmung der Ursache von Veränderung. Dann hat tatsächlich auch schon ein einzelnes Atom oder Molekül Bewusstsein: Die auftauchenden Abbilder werden von ihm wahrgenommen, weil sie die Ursache für seine Veränderung sind. Sie verändern es, weil sie ja seine Superpositionszustände erzeugen. Das bedeutet, dass zwar schon ein einzelnes Atom oder Molekül Bewusstsein hat, allerdings nur im Moment seiner Neubildung. Denn sobald seine Superpositionszustände erzeugt worden sind, verschwinden die Abbilder wieder. Und mit ihnen verschwindet das Bewusstsein.

Lässt sich damit aber auch unser menschliches Bewusstsein erklären? Und vor allem: Passt die Erklärung zu den Erkenntnissen der Neurowissenschaftler? Beide Fragen können positiv beantwortet werden, wie ich jetzt ausführlich erläutern werde. Dazu müssen wir uns zunächst aber unser Gehirn etwas genauer anschauen.

Warum haben wir überhaupt ein Gehirn? Zunächst einmal haben nicht nur wir Menschen ein Gehirn, sondern auch alle Tiere bis hinunter zu den Insekten. Gehirne dienen dem Steuern des Verhaltens. Betrachten wir ein Gehirn zunächst einmal als eine Art Blackbox mit Eingängen und Ausgängen. Alle Lebewesen mit einem Gehirn sind Lebewesen, die sich bewegen. Daher haben sie auch Sinnesorgane, also Augen, Ohren und Riechorgane. Die Eingänge aller Gehirne sind mit diesen Sinnesorganen verbunden, die Ausgänge gehen an die Muskeln. Aufgabe des Gehirns ist es nun festzulegen, wie ein Lebewesen auf äußere Ereignisse zu reagieren hat, also zum Beispiel Wegrennen beim Erkennen von Gefahr oder Hinlaufen beim Anblick eines potenziellen Opfers oder eines Sexualpartners. Dadurch sichern Gehirne das Überleben.

Bei den ganz einfachen Gehirnen der Insekten sind die Eingänge mit den Ausgängen fest verdrahtet. Ein bestimmter Reiz von einem der Sinnesorgane führt dann unabänderlich zur immer gleichen Reaktion. Diese Reiz-Reaktionsfolge wird von den Genen festgelegt, ist also angeboren und bleibt lebenslang unverändert. Darum fliegt eine Wespe auch immer wieder gegen eine Scheibe. Sie lernt nicht, dass das sinnlos ist. Etwas anspruchsvollere Gehirne zeigen Instinkte. Ein Instinkt ist ebenfalls eine festgelegte Reaktion, nur ist sie komplexer. Ein Beispiel hierfür ist das Bauen eines Nests für den Nachwuchs.

Irgendwann aber in der Evolutionsgeschichte entstanden Gehirne, die lernen konnten. Lernen bedeutet, dass sich Gehirne aufgrund von Erfahrungen verändern können. Diese Erfahrungen beeinflussen dann das zukünftige Verhalten. Einfache Formen des Lernens, die man insbesondere bei Tieren findet, führen zwar zu veränderten Reaktionen, sind aber immer noch stereotypisch. Das heißt, dass das gleiche Signal immer genau die gelernte Reaktion auslöst, unabhängig von der Situation, bei der es auftaucht. Neue Situationen können auf diese Weise nur schwer bewältigt werden. Die besondere Fähigkeit des menschlichen Gehirns besteht darin, dass es auch bei neuen Situationen eine brauchbare Handlungsalternative finden kann. Es analysiert die neue Situation genau und vergleicht alle einzelnen Aspekte der neuen Situation mit Erkenntnissen aus der Vergangenheit. Das müssen keine persönlichen Erlebnisse sein. Das kann man auch in Büchern gelesen oder aus Fernsehberichten erfahren haben. Oder der Nachbar hat das irgendwann erzählt.

Jedenfalls werden aus diesen Erkenntnissen dann mögliche Handlungsalternativen konstruiert und gegeneinander abgewogen. Indem das Gehirn überlegt, zu welchen zukünftigen Situationen die jeweiligen Handlungsalternativen führen werden. Das ermöglicht die Bewertung der jeweiligen Handlungsalternativen. Also welche zu einer erstrebenswerten zukünftigen Situation führen und welche nicht. Dadurch wird ein Verhalten möglich, das nicht stereotypisch ist. Diese Fähigkeit unseres Gehirns hat uns Menschen einen großen evolutionären Vorsprung eingebracht. Diese Fähigkeit hat aber auch einen Riesennachteil. Und der hat mit der Angst zu tun. Angst entsteht immer dann, wenn es zu einer existenzbedrohenden Situation kommt. Tiere bekommen nur Angst bei echten existenzbedrohenden Situationen. Der Mensch kann sich existenzbedrohende Situation aber auch nur vorstellen und bekommt trotzdem Angst. Hat man nun die Neigung, sich existenzbedrohende Situationen sehr oft und sehr lange vorzustellen, kommt es zur chronischen Angst. Die ist weit verbreitet und ein echtes Problem. Aber wirkliche Hilfe ist schwierig, weil unser Gehirn nun einmal so arbeitet.

Steigen wir jetzt noch etwas tiefer in unser menschliches Gehirn ein. Wie ist es organisiert? Das Gehirn besteht aus sehr vielen Modulen. Jedes dieser Module steht für eine bestimmte Aufgabe. Bei den Modulen gibt es eine Hierarchie. Die untenstehenden Module erledigen einfache Aufgaben, wie zum Beispiel eine erste Verarbeitung der von den Sinnesorganen kommenden Informationen. Oder sie stehen für einfaches Verhalten. Also für Dinge, bei denen Sie ohne großes Nachdenken direkt reagieren müssen. Zum Beispiel wenn ein Kind vor Ihrem Auto auf die Straße läuft. Das muss ohne Nachdenken zum sofortigen Bremsen führen. Da werden nur einige wenige in der Hierarchie untenstehende Module aktiv, die direkt das Bremsen bewirken.

Ein anderes Beispiel für einfaches Verhalten sind die Emotionen. Wenn sie dominant sind, werden ebenfalls nur wenige in der Hierarchie untenstehende Module aktiv. Dann reagieren wir sofort und ohne großes Nachdenken. Zum Beispiel wenn wir angegriffen werden oder sehr wütend sind. Bei komplexeren Situationen werden aber auch sehr viele in der Hierarchie höherstehende Module mit einbezogen. Das bedeutet dann längeres Nachdenken, bevor das Verhalten feststeht. Bevor es also zu einer Handlung kommt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn uns das Angebot für eine neue Stelle in einer anderen Stadt vorliegt. Dann kommen sehr viele Module ins Spiel. Auch sehr viele höherstehende Module. Was bedeutet, dass wir länger Nachdenken und sehr viele Aspekte berücksichtigen. Erst dann treffen wir eine Entscheidung.

Jetzt ein einfaches Beispiel, das für das Bewusstsein eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie eine rote Kugel betrachten, dann werden zwei Module aktiv. Eines steht für die Form, also für die Kugel. Das andere steht für die Farbe, also für das Rot. Es werden somit zwei räumlich getrennte Module aktiv, im Bewusstsein taucht aber die rote Kugel auf. Das heißt, „Kugel“ und „Rot“ bilden im Bewusstsein eine Einheit, sie sind aber im Gehirn räumlich getrennt. Warum sie im Bewusstsein eine Einheit bilden, war für die Neurowissenschaftler bislang ein großes Rätsel. Sie nennen es das Bindungsproblem. Wie Sie noch sehen werden, bringt die Erklärung des Bewusstseins mittels der inneren Welt hier endlich Licht ins Dunkel.

Aus was bestehen aber nun die Module und wie kommunizieren sie miteinander? Hier müssen wir noch tiefer in das Gehirn schauen. Unser Körper besteht aus Zellen. Die sind nicht alle gleich, sondern haben sich spezialisiert. So gibt es zum Beispiel Leberzellen und Hautzellen. Auch unser Gehirn besteht aus Zellen. Genauer gesagt aus etwa 100 Milliarden Zellen, und diese Zellen nennt man Neuronen. Sie haben eine Besonderheit. Sie geben nämlich Salven von elektrischen Impulsen ab. Dazu sagt man auch griffig, dass die Neuronen „feuern“. Mit den elektrischen Impulsen regen sich die Neuronen gegenseitig an. Die Module bestehen also aus Netzwerken von Neuronen, und die Kommunikation sowohl innerhalb der Module wie auch zwischen den Modulen erfolgt mittels elektrischer Impulse.

Wie ich bereits gesagt habe, besteht das Gehirn aus sehr vielen Modulen, und jedes hat eine bestimmte Aufgabe. Früher dachte man, dass nur einige dieser Module zum Bewusstsein beitragen. Dass es also Bewusstseins-Module gibt und Module, deren Aktivität stets unbewusst bleibt. Das aber stimmt so nicht. Alle Module im Gehirn können sowohl zum Bewusstsein beitragen als auch unbewusst bleiben. Das hängt von der Situation ab. Wenn wir bei Bewusstsein sind, dann gibt es immer ein großes Netzwerk aus vielen besonders eng miteinander verbundenen Modulen. Dieses Netzwerk enthält stets auch viele hierarchisch obenstehende Module, die wichtig für unser Verhalten sind. Alle Module, die diesem Netzwerk angehören, tragen zum Bewusstsein bei. Wobei die Neurowissenschaftler natürlich nicht sagen können, wie sie zum Bewusstsein beitragen. Sie können nur sagen, dass sie zum Bewusstsein beitragen. Alle Module, die nicht diesem Bewusstseins-Netzwerk angehören, können noch so aktiv sein, sie tragen trotzdem nicht zum Bewusstsein bei. Jedes Modul im Gehirn ist manchmal Teil des Bewusstseins-Netzwerks, manchmal ist es davon isoliert. Jede Situation führt nämlich zu einem anderen Bewusstseins-Netzwerk. Daher tragen bei unterschiedlichen Situationen auch unterschiedliche Module zum Bewusstsein bei.

Unsere Augen registrieren Lichtwellen beziehungsweise Photonen. Unsere Ohren registrieren Schallwellen. Aus denen erzeugen die Augen und die Ohren elektrische Impulse, die zum Gehirn geschickt werden. Nennen wir das die Rohdaten des Sehens und des Hörens. Wahrnehmen tun wir das Bewusstseins-Netzwerk. In ihm spielen die von den Augen und Ohren kommenden Rohdaten keine Rolle mehr. Im Bewusstseins-Netzwerk gibt es vielmehr nur noch das, was das Gehirn aus den Rohdaten gemacht hat. Tatsächlich sind sie vom Gehirn umfangreich aufbereitet worden, bevor sie bewusstwerden. Daher nehmen wir die Realität nicht so wahr, wie sie wirklich ist. Wir nehmen nur das wahr, was das Gehirn daraus gemacht hat. Das Gehirn konstruiert also die Realität. Aber das macht es so gut, dass wir gar nicht merken, dass es konstruiert. Wir kennen also nur die vom Gehirn konstruierte Realität. Die echte Realität kennen wir nicht. Allerdings gibt es zweifellos einen Zusammenhang zwischen der konstruierten und der echten Realität. Ansonsten würde unser Gehirn nicht zum Überleben taugen.

Ich habe eben gesagt, dass innerhalb des Bewusstseins-Netzwerks die Module besonders eng miteinander verbunden sind. Wie sieht diese besonders enge Verbundenheit aus? Da gibt es eine klare Erkenntnis: Das Feuern der Neuronen im Bewusstseins-Netzwerk erfolgt nach Art eines Orchesters. Viele Instrumente spielen gleichzeitig, aber die Zusammensetzung der gleichzeitig spielenden Instrumente ändert sich ständig. Genauso feuern die Neuronen im Bewusstseins-Netzwerk. Es gibt immer einen Satz von gleichzeitig feuernden Neuronen. Hierzu sagt man, dass sie synchron feuern. Sie geben ihre elektrischen Impulse also immer zur gleichen Zeit ab. Wobei der Satz der synchron feuernden Neuronen sich ständig verändert. Ihm gehören zu unterschiedlichen Zeitpunkten stets unterschiedliche Neuronen an. Innerhalb des Bewusstseins-Netzwerks gibt es somit eine besonders enge zeitliche Abstimmung zwischen den Neuronen. Die ist wichtig für die koordinierte Zusammenarbeit der vielen Module, die das Bewusstseins-Netzwerk bilden.

Wie weiter oben erläutert, hat schon jedes sich neu bildende Atom oder Molekül im Moment seiner Neubildung Bewusstsein. Denn es nimmt die auftauchenden Abbilder aus der inneren Welt wahr. Es nimmt sie deshalb wahr, weil es von ihnen verändert wird. Indem sie seine Superpositionszustände erzeugen. Das ist das Grundprinzip des Bewusstseins.

Nun werden nicht nur im Gehirn, sondern überall im menschlichen Körper ständig Moleküle in riesiger Zahl neu gebildet. Und alle haben im Moment ihrer Neubildung Bewusstsein. Also sollte unser Bewusstsein eigentlich ein Ganzkörper-Bewusstsein sein, also aus der Gesamtheit der Mini-Bewusstseins aller sich im ganzen Körper jeweils gerade neu bildenden Molekülen bestehen. Unser Bewusstsein ist aber ganz anders. Erstens ist es im Gehirn konzentriert und nicht über den ganzen Körper verteilt. Und zweitens ist es hochgradig strukturiert. Wohingegen das Ganzkörper-Bewusstsein zu einem Informationsbrei führen sollte. Das ist zu klären. Und es kann geklärt werden, wie ich nun erläutern werde.

Fragen wir uns zunächst, was eigentlich die sich neu bildenden Moleküle sind, die im Gehirn das Bewusstsein bewirken. Da drängt sich etwas auf: Die Synapsen. Sie befinden sich in den Verbindungsleitungen zwischen den Neuronen und sind kleine Verdickungen mit einem Spalt. Die Synapsen gibt es in riesiger Zahl, auf ein Neuron kommen etwa 1000 Synapsen. Trifft ein elektrischer Impuls auf eine Synapse, so kann er sie aufgrund des Spalts nicht überwinden. Er setzt aber kleine Moleküle frei, die sogenannten Neurotransmitter. Diese durchqueren den Spalt und docken auf der anderen Seite an sehr große Moleküle, die Rezeptormoleküle, an. Das wiederum löst eine elektrische Erregung aus, die sich weiter fortpflanzt in Richtung des nächsten Neurons. So hat der elektrische Impuls den Spalt letztlich doch überwunden. Das Andocken der Neurotransmitter an die Rezeptormoleküle in den Synapsen bewirkt die Neubildung der Rezeptormoleküle. Denn die Neurotransmitter reagieren mit den Rezeptormolekülen, und es entstehen um die Neurotransmitter vergrößerte Rezeptormoleküle. Die haben eine andere Form als die Rezeptormoleküle ohne die Neurotransmitter. Diese veränderte Form löst zahlreiche Effekte aus. Der wichtigste Effekt ist hierbei die schon eben erwähnte elektrische Erregung, die sich in Richtung des nächsten Neurons fortpflanzt.

Nun sind die Rezeptormoleküle überall im Gehirn und nicht nur im Bewusstseins-Netzwerk vorhanden. Allerdings gibt es im Bewusstseins-Netzwerk einen Verstärkungseffekt. Der kommt davon, dass stets ein Teil der Neuronen im Bewusstseins-Netzwerk synchron feuert. Das führt dazu, dass sich die Rezeptormoleküle in ihren Verbindungsleitungen alle synchron, das heißt gleichzeitig, neu bilden. Dadurch kommt es zum gleichzeitigen Auftauchen der entsprechenden passenden Abbilder. Die sich überlagern (sie kommen ja aus der inneren Welt losgelöst vom Raum) und so gegenseitig verstärken.

Aufgrund dieses Verstärkungseffekts dominieren die im Bewusstseins-Netzwerk auftauchenden Abbilder in unserem Bewusstsein. Alle anderen sich nicht-synchron neu bildenden Rezeptormoleküle im Gehirn und auch alle im übrigen Körper sich neu bildenden Moleküle führen zwar auch zu Bewusstsein, das wird aber vom Verstärkungseffekt des Bewusstseins-Netzwerks völlig überdeckt.

Die Erklärung des Bewusstseins mittels der auftauchenden Abbilder löst auch das oben angesprochene Bindungsproblem. Kommen wir hierzu wieder zum Beispiel der roten Kugel zurück. Wenn Sie sie betrachten, dann werden zwei Module im Gehirn aktiv. Eines steht für die Kugel. Das andere steht für das Rot. Die Neuronen in den beiden Modulen feuern synchron. Dadurch tauchen die passenden Abbilder in beiden Modulen gleichzeitig auf. Die Abbilder des Moduls „Kugel“ führen zum Auftauchen der Kugel im Bewusstsein. Die Abbilder des Moduls „Rot“ führen entsprechend zum Auftauchen des Rots im Bewusstsein. Das synchrone Feuern führt dazu, dass die Kugel und das Rot zur gleichen Zeit auftauchen. Dadurch werden sie im Bewusstsein zur roten Kugel. Für die Neurowissenschaftler war das bislang ein Problem, da ja die beiden Module „Kugel“ und „Rot“ im Gehirn räumlich getrennt sind. Wie sollte das zu einer Einheit führen? Das ist das oben erläuterte Bindungsproblem. Mit den auftauchenden Abbildern aus reiner Information ist dieses Problem vom Tisch. Denn sie sind nicht-räumlich und daher ist es bei ihnen egal, wo sie im Gehirn auftauchen. Dadurch vereinigen sie sich im Bewusstsein, wenn sie gleichzeitig auftauchen.

Der Verstärkungseffekt aufgrund des synchronen Feuerns der Neuronen erklärt zwar, warum das Bewusstseins-Netzwerk in unserem Bewusstsein dominiert. Er erklärt aber nicht unser strukturiertes Bewusstsein. Denn wenn Sie vor sich eine rote Kugel und einen blauen Würfel nebeneinander auf dem Tisch liegen sehen, dann sind die rote Kugel und der blaue Würfel in ihrem Bewusstsein getrennt. Würden die bewusstseinsbildenden Neuronen alle völlig synchron feuern, dann gäbe es in Ihrem Bewusstsein eine Überlagerung der roten Kugel und des blauen Würfels und keine Trennung der beiden Objekte.

Das Gehirn ist aber tatsächlich raffinierter. Denn wie schon erläutert, feuert es nach Art eines Orchesters. Das bedeutet, dass die Neuronen des Bewusstseins-Netzwerks nicht völlig synchron feuern, sondern zeitlich fein abgestimmt. Wenn Sie die rote Kugel und den blauen Würfel betrachten, dann sind vier Module aktiv. Zwei für die beiden Formen, also „Kugel“ und „Würfel“, und zwei für die beiden Farben, also „Rot“ und „Blau“. Die beiden Module „Kugel“ und „Rot“ feuern völlig synchron, daher sehen sie die rote Kugel und nicht „Rot“ und „Kugel“ getrennt. Gleiches gilt für den blauen Würfel. Woher aber kommt die Trennung zwischen der roten Kugel und dem blauen Würfel? Die Ursache für die Trennung besteht darin, dass die beiden die rote Kugel bildenden Module und die beiden den blauen Würfel bildenden Module zeitlich zueinander versetzt feuern. Dieses zeitlich versetzte Feuern bewirkt die Trennung der roten Kugel und des blauen Würfels im Bewusstsein. Es ist genau diese zeitliche Abstimmung, die zu unserem strukturierten Bewusstsein führt.

In der Literatur wird sehr viel darüber spekuliert, warum wir eigentlich Bewusstsein haben. Diese Frage muss man umformulieren. Denn alle Atome und Moleküle haben ja schon Bewusstsein, zumindest im Moment ihrer Bildung. Man muss daher fragen, warum wir ein so ausgeprägtes und so gut strukturiertes Bewusstsein haben. Diese Frage ist leicht zu beantworten: Wir haben ein so ausgeprägtes und so gut strukturiertes Bewusstsein, weil es im Wachzustand immer ein großes Netzwerk von Modulen gibt, das ist das Bewusstseins-Netzwerk, dessen Neuronen zeitlich abgestimmt feuern.

Gehen wir aber noch einen Schritt weiter. Warum gibt es immer ein Netzwerk von Modulen, das zeitlich abgestimmt feuert? Das Gehirn bestimmt unser Verhalten. Das ergibt sich, so wie oben erläutert, aus dem Bewusstseins-Netzwerk, also aus der Zusammenarbeit sehr vieler Module. Die Zusammenarbeit erfolgt über den Austausch von elektrischen Impulsen. Würden die elektrischen Impulse zeitlich chaotisch erzeugt werden, dann wäre auch die Zusammenarbeit der Module chaotisch. Dann wäre auch das Resultat der Zusammenarbeit, also unser Verhalten, chaotisch. Auch wenn einem das Verhalten vieler Menschen chaotisch vorkommt, es ist kein wirkliches Chaos. Wirkliches Chaos wäre völlig unkontrolliertes Verhalten. Das aber kommt eher selten vor. Das zeigt, dass die Zusammenarbeit der vielen Module im Bewusstseins-Netzwerk fast immer geordnet abläuft. Weil die elektrischen Impulse, die sie austauschen, nicht chaotisch, sondern zeitlich abgestimmt erzeugt werden. Es ist natürlich nicht das Bewusstsein, was unser Verhalten bestimmt. Es ist das Bewusstseins-Netzwerk. Unser strukturiertes Bewusstsein ist nur das Resultat der koordinierten Zusammenarbeit der Module des Bewusstseins-Netzwerks. Unser strukturiertes Bewusstsein zeigt uns also, dass unser Gehirn vernünftig arbeitet.

Aber ohne Bewusstsein gäbe es keine Strukturierung unseres Bewusstseins. Denn die auftauchenden Abbilder aus der inneren Welt bewirken ja etwas im Gehirn. Nämlich die Superpositionszustände und damit die Stabilisierung der sich neu bildenden Rezeptormoleküle. Ohne diese Stabilisierung würde unser Gehirn selbstverständlich nicht funktionieren. Bewusstsein ist daher keine im Grunde nutzlose Begleiterscheinung. Es ist vielmehr eine unbedingt notwendige Voraussetzung für unser Überleben.

Zu den offenen Fragen gehörte bislang auch, ob nur wir Menschen Bewusstsein haben. Wäre das so, so würde das bedeuten, dass Bewusstsein relativ plötzlich aufgetaucht ist. Üblicherweise geht man ja davon aus, dass die Affen und wir Menschen einen gemeinsamen Vorfahren haben. Das aber würde bedeuten, dass unser Gehirn nach der Trennung von den Affen vor einigen wenigen Millionen von Jahren eine derartige Veränderung erfahren hat, dass daraus das Bewusstsein entstanden ist. Tatsächlich gab es gar keine so große Veränderung. Zumindest nicht von großer qualitativer Natur. Zwar haben wir ein wesentlich größeres Großhirn, insbesondere eine wesentlich größere Großhirnrinde. Aber es sind kaum qualitative Unterschiede vorhanden. Das lässt den Schluss zu, dass es auch in den Gehirnen von Affen Bewusstseins-Netzwerke gibt, deren Neuronen zeitlich abgestimmt feuern. Daher haben auch Affen ein strukturiertes Bewusstsein. Es ist aber schwächer ausgeprägt als unser menschliches Bewusstsein, weil ihre Bewusstseins-Netzwerke aus viel weniger Modulen bestehen. Man kann noch weitergehen. Alle Tiere mit Gehirn haben ein strukturiertes Bewusstsein. Je weniger komplex aber ein Gehirn ist, desto weniger Module sind in den Bewusstseins-Netzwerken enthalten und desto schwächer ausgeprägt ist dann auch das Bewusstsein.

Wer hat noch alles ein strukturiertes Bewusstsein ähnlich unserem menschlichen Bewusstsein? Haben auch Computer ein solches Bewusstsein? Der Philosoph David Chalmers ist der Meinung, Bewusstsein komme von der Informationsverarbeitung. Daher sollte auch ein Computer Bewusstsein besitzen, denn er macht ja nichts anderes als Informationsverarbeitung. Allerdings kann David Chalmers nicht erklären, wie aus der Informationsverarbeitung Bewusstsein entstehen könnte. Natürlich aber hat ein Computer kein strukturiertes Bewusstsein ähnlich unserem menschlichen Bewusstsein. Denn wir wissen ja jetzt, worauf es ankommt. Nämlich auf die zeitlich abgestimmte Neubildung von vielen Billionen von Molekülen. Und das gibt es bei den Computern zweifellos nicht. Zumindest nicht bei den heutigen Computern. Möglicherweise aber wird es das in der Zukunft geben. Denn es könnten in der Zukunft Computer so konstruiert werden, dass sie hinsichtlich der zeitlich abgestimmten Neubildung von Molekülen unseren Gehirnen ähnlich sind. Diese Computer sollten dann ein strukturiertes Bewusstsein ähnlich unserem menschlichen Bewusstsein haben. Das hat nichts Erschreckendes an sich, da ja Bewusstsein ein absolut fundamentales Phänomen im Universum darstellt.