Was ist Bewusstsein?

Das Thema „Bewusstsein“ ist zwar ein uraltes Thema, wirklich voran aber ist man bislang noch nicht gekommen. Mit dem Thema „Bewusstsein“ beschäftigen sich die Physiker eher weniger, das ist hauptsächlich eine Frage für die Philosophen und die Neurowissenschaftler. Die Philosophen versuchen dem Bewusstsein durch reines Nachdenken auf die Spur zu kommen. Bislang ohne Erfolg. Die Neurowissenschaftler schauen sich das Gehirn sehr genau an. Dem Bewusstsein sind sie aber dadurch auch nicht nähergekommen. Woran liegt das? Es liegt daran, dass die Philosophen und Neurowissenschaftler Anhänger des völlig überholten materiellen Weltbildes sind. Für sie gibt es nur die Materie, sonst nichts. Das Bewusstsein muss für sie deshalb eine Eigenschaft der Materie sein. Aber wie aus der Materie beispielsweise das Rot des Sonnenuntergangs entsteht, das können sie nicht sagen. Da gibt es nicht den Hauch eines Ansatzes.

Dem Bewusstsein kommt man nur mittels der Quantenphysik auf die Spur. Denn sie zeigt, dass neben der materiellen Welt sehr wohl auch eine geistige Welt existiert. Die liefert, wie ich hier auf dieser Seite erläutern werde, die Erklärung für unser Bewusstsein.

Man redet immer über Geist und Bewusstsein, wobei in der Literatur die Begriffe austauschbar erscheinen. Das hängt natürlich damit zusammen, dass beide Begriffe bislang völlig unklar waren. Keiner konnte bislang sagen, was man unter Geist versteht, und keiner konnte bislang sagen, was man unter Bewusstsein versteht. Klären wir zunächst den Begriff des Geistes. Das ist ziemlich einfach: Der Geist ist die innere Welt. Das Bewusstsein ist aber nicht identisch mit dem Geist. Das Bewusstsein besteht zwar aus dem Geist. Es muss aber noch etwas hinzukommen, damit aus Geist Bewusstsein wird. Es muss aktive Materie hinzukommen. Diesen Zusammenhang erläutere ich jetzt genauer.

Bewusstsein gibt es immer dann, wenn der Geist, also die innere Welt, in der materiellen Welt auftaucht. Der Geist taucht immer dann in der materiellen Welt auf, wenn sich ein Atom oder Molekül neu bildet. Denn dann taucht der Geist in Form der passenden Abbilder aus reiner Information auf. Und zwar am Ort des sich neu bildenden Atoms oder Moleküls, wo sie dessen Superpositionszustände erzeugen. Dadurch verändern die Abbilder das sich neu bildende Atom oder Molekül, und das führt dazu, dass es die Abbilder „erlebt“. Und das Erleben ist das Bewusstsein! Die auftauchenden Abbilder erzeugen also das Bewusstsein des sich neu bildenden Atoms oder Moleküls. Der Geist wird somit zu Bewusstsein, wenn er in der materiellen Welt auftaucht und die materielle Welt verändert. Das geschieht nur bei aktiver Materie. Nämlich genau dann, wenn sich ein Atom oder Molekül neu bildet. Bewusstsein gibt es immer nur für extrem kurze Zeit. Denn sobald der auftauchende Geist den Superpositionszustand erzeugt hat, verschwindet er wieder. Und mit ihm verschwindet auch das Bewusstsein.

Das ist das Grundprinzip des Bewusstseins. Auch unser menschliches Bewusstsein funktioniert nach diesem Grundprinzip. Wobei es aber einen vom Gehirn bewirkten Verstärkungs- und Strukturierungseffekt gibt, den ich weiter unten noch ausführlich erläutern werde.

Kann man Bewusstsein beobachten? Betrachten wir hierzu ein sich neu bildendes Wasserstoffatom. Die auftauchenden Abbilder erzeugen seine Superpositionszustände. Das verändert das sich neu bildende Wasserstoffatom und dadurch „erlebt“ das sich neu bildende Wasserstoffatom die auftauchenden Abbilder. Würden Sie das sich neu bildende Wasserstoffatom beobachten, so würde das dazu führen, dass kein Superpositionszustand erzeugt wird. Denn eine Beobachtung ist eine Messung, und jede Messung führt zum Kollaps der Superpositionszustände beziehungsweise verhindert die Erzeugung der Superpositionszustände. Ohne die Erzeugung der Superpositionszustände gibt es aber keine Veränderung beim sich neu bildenden Wasserstoffatom und damit kein „Erleben“ der auftauchenden Abbilder. Dadurch gibt es auch kein Bewusstsein. Jede Beobachtung verhindert also Bewusstsein, und damit kann man Bewusstsein nicht beobachten.

Das Bewusstsein der Atome ist natürlich äußerst simpel. Interessanter wird es bei den Molekülen. Denn die können riesig sein. Diese riesigen Makromoleküle haben, verglichen mit einem Atom, ein viel intensiveres Bewusstsein im Moment ihrer Neubildung. Aber es ist zweifellos immer noch völlig unscheinbar, verglichen mit unserem menschlichen Bewusstsein. Also dem von unserem aktiven Gehirn bewirkten Bewusstsein. Was passiert im Gehirn? Eigentlich liegt das auf der Hand. In unserem Gehirn kommt es in jedem Augenblick zur Bildung von vielen Billionen von Molekülen. Daher ist unser Bewusstsein kontinuierlich. Das ist aber noch nicht alles. Es kommt noch etwas ganz Entscheidendes hinzu. Die Bildung der bewusstseinserzeugenden Moleküle im Gehirn ist nämlich hochgradig organisiert. Es ist diese Organisation, die zu unserem intensiven und strukturierten Bewusstsein führt. Das werde ich gleich ausführlich erläutern. Zunächst aber schauen wir uns unser Gehirn etwas genauer an. Keine Angst, es kommen jetzt keine langweiligen anatomischen Beschreibungen des Gehirns wie in so vielen anderen Büchern über das Gehirn. Es geht mehr um die grundlegenden Prinzipien, nach denen das menschliche Gehirn arbeitet.

Warum haben wir überhaupt ein Gehirn? Zunächst einmal haben nicht nur wir Menschen ein Gehirn, sondern auch alle Tiere bis hinunter zu den Insekten. Gehirne dienen dem Steuern des Verhaltens. Betrachten wir ein Gehirn zunächst einmal als eine Art Blackbox mit Eingängen und Ausgängen. Alle Lebewesen mit einem Gehirn sind Lebewesen, die sich bewegen. Daher haben sie auch Sinnesorgane, also Augen, Ohren und Riechorgane. Die Eingänge aller Gehirne sind mit diesen Sinnesorganen verbunden, die Ausgänge gehen an die Muskeln. Aufgabe des Gehirns ist es nun festzulegen, wie ein Lebewesen auf äußere Ereignisse zu reagieren hat, also zum Beispiel Wegrennen beim Erkennen von Gefahr oder Hinlaufen beim Anblick eines potenziellen Opfers oder eines Sexualpartners. Dadurch sichern Gehirne das Überleben.

Bei den ganz einfachen Gehirnen der Insekten sind die Eingänge mit den Ausgängen fest verdrahtet. Ein bestimmter Reiz von einem der Sinnesorgane führt dann unabänderlich zur immer gleichen Reaktion. Diese Reiz-Reaktionsfolge wird von den Genen festgelegt, ist also angeboren und bleibt lebenslang unverändert. Darum fliegt eine Wespe auch immer wieder gegen eine Scheibe. Sie lernt nicht, dass das sinnlos ist. Etwas anspruchsvollere Gehirne zeigen Instinkte. Ein Instinkt ist ebenfalls eine festgelegte Reaktion, nur ist sie komplexer. Ein Beispiel hierfür ist das Bauen eines Nests für den Nachwuchs.

Irgendwann aber in der Evolutionsgeschichte entstanden Gehirne, die lernen konnten. Lernen bedeutet, dass sich Gehirne aufgrund von Erfahrungen verändern können. Diese Erfahrungen beeinflussen dann das zukünftige Verhalten. Einfache Formen des Lernens, die man insbesondere bei Tieren findet, führen zwar zu veränderten Reaktionen, sind aber immer noch stereotypisch. Das heißt, dass das gleiche Signal immer genau die gelernte Reaktion auslöst, unabhängig von der Situation, bei der es auftaucht. Neue Situationen können auf diese Weise nur schwer bewältigt werden. Die besondere Fähigkeit des menschlichen Gehirns besteht darin, dass es auch bei neuen Situationen eine brauchbare Handlungsalternative finden kann. Es analysiert die neue Situation genau und vergleicht alle einzelnen Aspekte der neuen Situation mit Erkenntnissen aus der Vergangenheit. Das müssen keine persönlichen Erlebnisse sein. Das kann man auch in Büchern gelesen oder aus Fernsehberichten erfahren haben. Oder der Nachbar hat das irgendwann erzählt.

Jedenfalls werden aus diesen Erkenntnissen dann mögliche Handlungsalternativen konstruiert und gegeneinander abgewogen. Indem das Gehirn überlegt, zu welchen zukünftigen Situationen die jeweiligen Handlungsalternativen führen werden. Das ermöglicht die Bewertung der jeweiligen Handlungsalternativen. Also welche zu einer erstrebenswerten zukünftigen Situation führen und welche nicht. Dadurch wird ein Verhalten möglich, das nicht stereotypisch ist. Diese Fähigkeit unseres Gehirns hat uns Menschen einen großen evolutionären Vorsprung eingebracht. Diese Fähigkeit hat aber auch einen Riesennachteil. Und der hat mit der Angst zu tun. Angst entsteht immer dann, wenn es zu einer existenzbedrohenden Situation kommt. Tiere bekommen nur Angst bei echten existenzbedrohenden Situationen. Der Mensch kann sich existenzbedrohende Situation aber auch nur vorstellen und bekommt trotzdem Angst. Hat man nun die Neigung, sich existenzbedrohende Situationen sehr oft und sehr lange vorzustellen, kommt es zur chronischen Angst. Die ist weit verbreitet und ein echtes Problem. Aber wirkliche Hilfe ist schwierig, weil unser Gehirn nun einmal so arbeitet.

Steigen wir jetzt noch etwas tiefer in unser menschliches Gehirn ein. Wie ist es organisiert? Das Gehirn besteht aus sehr vielen Modulen. Jedes dieser Module steht für eine bestimmte Aufgabe. Bei den Modulen gibt es eine Hierarchie. Die untenstehenden Module erledigen einfache Aufgaben, wie zum Beispiel eine erste Verarbeitung der von den Sinnesorganen kommenden Informationen. Oder sie stehen für einfaches Verhalten. Also für Dinge, bei denen Sie ohne großes Nachdenken direkt reagieren müssen. Zum Beispiel wenn ein Kind vor Ihrem Auto auf die Straße läuft. Das muss ohne Nachdenken zum sofortigen Bremsen führen. Da werden nur einige wenige in der Hierarchie untenstehende Module aktiv, die direkt das Bremsen bewirken.

Ein anderes Beispiel für einfaches Verhalten sind die Emotionen. Wenn sie dominant sind, werden ebenfalls nur wenige in der Hierarchie untenstehende Module aktiv. Dann reagieren wir sofort und ohne großes Nachdenken. Zum Beispiel wenn wir angegriffen werden oder sehr wütend sind. Bei komplexeren Situationen werden aber auch sehr viele in der Hierarchie höherstehende Module mit einbezogen. Das bedeutet dann längeres Nachdenken, bevor das Verhalten feststeht. Bevor es also zu einer Handlung kommt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn uns das Angebot für eine neue Stelle in einer anderen Stadt vorliegt. Dann kommen sehr viele Module ins Spiel. Auch sehr viele höherstehende Module. Was bedeutet, dass wir länger Nachdenken und sehr viele Aspekte berücksichtigen. Erst dann treffen wir eine Entscheidung. Wobei immer wieder diskutiert wird, ob längeres Nachdenken tatsächlich zu besseren Entscheidungen führt. Denn manchmal können die sogenannten „Entscheidungen aus dem Bauch heraus“ auch die besseren sein, wie wohl jeder bestätigen kann.

Jetzt ein einfaches Beispiel, das für das Bewusstsein eine wichtige Rolle spielt. Wenn Sie eine rote Kugel betrachten, dann werden zwei Module aktiv. Eines steht für die Form, also für die Kugel. Das andere steht für die Farbe, also für das Rot. Es werden somit zwei räumlich getrennte Module aktiv, im Bewusstsein taucht aber die rote Kugel auf. Das heißt, „Kugel“ und „Rot“ bilden im Bewusstsein eine Einheit, sie sind aber im Gehirn getrennt. Warum sie im Bewusstsein eine Einheit bilden, war für die Neurowissenschaftler bislang ein großes Rätsel. Sie nennen es das Bindungsproblem. Wie Sie noch sehen werden, bringt die Erklärung des Bewusstseins mittels der Quantenphysik hier endlich Licht ins Dunkel.

Aus was bestehen aber nun die Module und wie kommunizieren sie miteinander? Hier müssen wir noch tiefer in das Gehirn schauen. Unser Körper besteht aus Zellen. Die sind nicht alle gleich, sondern haben sich spezialisiert. So gibt es zum Beispiel Leberzellen und Hautzellen. Auch unser Gehirn besteht aus Zellen. Genauer gesagt aus etwa 100 Milliarden Zellen, und diese Zellen nennt man Neuronen. Sie haben eine Besonderheit. Sie geben nämlich Salven von elektrischen Impulsen ab. Dazu sagt man auch griffig, dass die Neuronen „feuern“. Mit den elektrischen Impulsen regen sich die Neuronen gegenseitig an. Die Module bestehen also aus Netzwerken von Neuronen, und die Kommunikation sowohl innerhalb der Module wie auch zwischen den Modulen erfolgt mittels elektrischer Impulse. Da das Feuern die Besonderheit der Neuronen ist, wäre die Vorstellung naheliegend, dass das auch das Bewusstsein erzeugt. Was man aber ausschließen kann. Denn die elektrischen Impulse aller Neuronen sind immer gleich. Jedes der 100 Milliarden Neuronen im Gehirn erzeugt immer die gleichen Impulse. Wie sollte das denn zu unserem wirklich extrem reichhaltigen Bewusstsein führen? Abgesehen davon, dass es völlig unklar ist, wie aus elektrischen Impulsen unser Bewusstsein entstehen könnte.

Die Neurowissenschaftler können zwar nicht erklären, wie aus der Aktivität der Neuronen unser Bewusstsein entsteht. Sie haben aber ermittelt, was im Gehirn beim Übergang von unbewusst zu bewusst passiert. Zum Beispiel wird ein auf einem Bildschirm erscheinendes Wort zunächst nur sehr kurz gezeigt. Dann bleibt es unbewusst. Anschließend wird es immer länger gezeigt, bis es irgendwann bewusst erlebt wird. Die Neurowissenschaftler schauen sich dann an, was im Gehirn passiert. Da sind sie in den letzten Jahren zu klaren Erkenntnissen gelangt. Die erläutere ich jetzt etwas näher.

Wie ich bereits gesagt habe, besteht das Gehirn aus sehr vielen Modulen, und jedes hat eine bestimmte Aufgabe. Früher dachte man, dass nur einige dieser Module zum Bewusstsein beitragen. Dass es also Bewusstseins-Module gibt und Module, deren Aktivität stets unbewusst bleibt. Das aber stimmt so nicht. Alle Module im Gehirn können sowohl zum Bewusstsein beitragen als auch unbewusst bleiben. Das hängt von der Situation ab. Wenn wir bei Bewusstsein sind, dann gibt es immer ein großes Netzwerk aus vielen besonders eng miteinander verbundenen Modulen. Dieses Netzwerk enthält stets auch viele hierarchisch weiter obenstehende Module, die wichtig für unser Verhalten sind. Alle Module, die diesem Netzwerk angehören, tragen zum Bewusstsein bei. Wobei die Neurowissenschaftler natürlich nicht sagen können, wie sie zum Bewusstsein beitragen. Sie können nur sagen, dass sie zum Bewusstsein beitragen. Alle Module, die nicht diesem Bewusstseins-Netzwerk angehören, können noch so aktiv sein, sie tragen trotzdem nicht zum Bewusstsein bei. Jedes Modul im Gehirn ist manchmal Teil des Bewusstseins-Netzwerks, manchmal ist es davon isoliert. Jede Situation führt nämlich zu einem anderen Bewusstseins-Netzwerk. Daher tragen bei unterschiedlichen Situationen auch unterschiedliche Module zum Bewusstsein bei.

Betrachten wir das obige Beispiel eines auf einem Bildschirm erscheinendes Wortes. Wird es nur sehr kurz gezeigt, dann gelingt es den durch das Wort angeregten Modulen nicht, Bestandteil des Bewusstsein-Netzwerks zu werden. Dadurch wird das Wort nicht wahrgenommen, es bleibt unbewusst. Wird es immer länger gezeigt, dann gelingt den angeregten Modulen irgendwann der Anschluss an das Bewusstseins-Netzwerk. Was zur bewussten Wahrnehmung des Wortes führt.

Ich habe eben gesagt, dass innerhalb des Bewusstseins-Netzwerks die Module besonders eng miteinander verbunden sind. Wie sieht diese besonders enge Verbundenheit aus? Da gibt es eine klare Erkenntnis: Das Feuern der Neuronen im Bewusstseins-Netzwerk erfolgt nach Art eines Orchesters. Viele Instrumente spielen gleichzeitig, aber die Zusammensetzung der gleichzeitig spielenden Instrumente ändert sich ständig. Genauso feuern die Neuronen im Bewusstseins-Netzwerk. Es gibt immer einen Satz von Neuronen, die gleichzeitig feuern. Hierzu sagt man, dass sie synchron feuern. Sie geben ihre elektrischen Impulse also immer zur gleichen Zeit ab. Wobei der Satz der synchron feuernden Neuronen sich ständig ändert. Ihm gehören zu unterschiedlichen Zeitpunkten stets unterschiedliche Neuronen an. Innerhalb des Bewusstseins-Netzwerks gibt es somit eine besonders enge zeitliche Abstimmung zwischen den Neuronen. Die ist wichtig für die koordinierte Zusammenarbeit der vielen Module, die das Bewusstseins-Netzwerk bilden. Und die ist auch wichtig für die Erzeugung unseres Bewusstseins.

Die Zusammensetzung des Bewusstseins-Netzwerks ist entscheidend für unser Verhalten. Was nun aber legt fest, wie sich das Bewusstseins-Netzwerk zusammensetzt? Was also bestimmt, welche Module zum Bewusstseins-Netzwerk gehören und welche nicht und bestimmt dadurch unser Verhalten? Das macht das Unbewusste. Das Bewusstseins-Netzwerk wird von sehr vielen unbewussten Modulen vorbereitet. Von denen viele auch unbewusst bleiben, also selbst nicht dem von ihnen vorbereiteten Bewusstseins-Netzwerk angehören. Daher kann man schon sagen, dass unser Verhalten letztlich vom Unbewussten bestimmt wird. Diese Macht des Unbewussten wurde von Sigmund Freud sehr populär gemacht. Allerdings genießt er in den Neurowissenschaften keine so große Anerkennung. Da die meisten seiner Gedanken nicht ursächlich von ihm selbst stammen, er konnte sie nur besser vermarkten. So ähnlich wie das heute Richard Dawkins mit der Evolutionstheorie macht. Oder Stephen Hawking mit der Physik.

Unsere Augen registrieren Lichtwellen beziehungsweise Photonen. Unsere Ohren registrieren Schallwellen. Aus denen erzeugen die Augen und die Ohren elektrische Impulse, die zum Gehirn geschickt werden. Nennen wir das die Rohdaten des Sehens und des Hörens. Wahrnehmen tun wir das Bewusstseins-Netzwerk. In ihm spielen die von den Augen und Ohren kommenden Rohdaten keine Rolle mehr. Im Bewusstseins-Netzwerk gibt es vielmehr nur noch das, was das Gehirn aus den Rohdaten gemacht hat. Tatsächlich sind sie vom Gehirn umfangreich aufbereitet worden, bevor sie bewusstwerden. Daher nehmen wir die Realität nicht so wahr, wie sie wirklich ist. Wir nehmen nur das wahr, was das Gehirn daraus gemacht hat. Das Gehirn konstruiert also die Realität. Aber das macht es so gut, dass wir gar nicht merken, dass es konstruiert. Wir kennen also nur die vom Gehirn konstruierte Realität. Die echte Realität kennen wir nicht. Allerdings gibt es zweifellos einen Zusammenhang zwischen der konstruierten und der echten Realität. Ansonsten würde unser Gehirn nicht zum Überleben taugen.

Ich wiederhole nochmals kurz das Grundprinzip des Bewusstseins. Es lautet, dass es immer dann Bewusstsein gibt, wenn etwas aus der inneren Welt in der materiellen Welt auftaucht und sie verändert. Das ist bei jedem sich neu bildenden Atom oder Molekül der Fall. Denn dann tauchen für extrem kurze Zeit die entsprechenden passenden Abbilder aus reiner Information auf und erzeugen die Superpositionszustände. Und diese auftauchenden Abbilder stellen Bewusstsein dar.

Wenn wir dieses Grundprinzip des Bewusstseins auf unser menschliches Bewusstsein anwenden, scheint es ein Problem zu geben. Denn überall im Körper bilden sich ständig Moleküle in unermesslicher Zahl neu. Die führen alle zwar zweifellos zu Bewusstsein, das ist aber nicht das Bewusstsein, das wir kennen. Wir kennen nur das vom Gehirn bewirkte Bewusstsein. Offensichtlich ist das vom Gehirn bewirkte Bewusstsein derart intensiv, dass es dominiert und die Beiträge zum Bewusstsein vom Rest des Körpers verdeckt. Es muss also im Gehirn einen Verstärkungseffekt geben. Woher kommt dieser Verstärkungseffekt?

Fragen wir uns zunächst, was eigentlich die sich neu bildenden Moleküle sind, die im Bewusstseins-Netzwerk das Bewusstsein bewirken. Da drängt sich etwas auf: Die Synapsen. Sie befinden sich in den Verbindungsleitungen zwischen den Neuronen und sind kleine Verdickungen mit einem Spalt. Die Synapsen gibt es in riesiger Zahl, auf ein Neuron kommen etwa 1000 Synapsen. Trifft ein elektrischer Impuls auf eine Synapse, so kann er sie aufgrund des Spalts nicht überwinden. Er setzt aber kleine Moleküle frei, die sogenannten Neurotransmitter. Diese durchqueren den Spalt und docken auf der anderen Seite an sehr große Moleküle, die Rezeptormoleküle, an. Das wiederum löst eine elektrische Erregung aus, die sich weiter fortpflanzt in Richtung des nächsten Neurons. So hat der elektrische Impuls den Spalt letztlich doch überwunden. Das Andocken der Neurotransmitter an die Rezeptormoleküle in den Synapsen bewirkt die Neubildung der Rezeptormoleküle. Denn die Neurotransmitter reagieren mit den Rezeptormolekülen, und es entstehen um die Neurotransmitter vergrößerte Rezeptormoleküle. Die haben eine andere Form als die Rezeptormoleküle ohne die Neurotransmitter. Diese veränderte Form löst zahlreiche Effekte aus. Der wichtigste Effekt ist hierbei die schon eben erwähnte elektrische Erregung, die sich in Richtung des nächsten Neurons fortpflanzt.

Allerdings gibt es die Rezeptormoleküle überall im Gehirn und nicht nur im Bewusstseins-Netzwerk. Warum aber dominieren die im Bewusstseins-Netzwerk sich neubildenden Rezeptormoleküle in unserem Bewusstsein? Weil es nur bei ihnen einen Verstärkungseffekt gibt. Der kommt davon, dass stets ein Teil der Neuronen im Bewusstseins-Netzwerk synchron feuert. Das führt dazu, dass sich die Rezeptormoleküle in den Verbindungsleitungen alle synchron, das heißt gleichzeitig, neu bilden. Dadurch kommt es zum gleichzeitigen Auftauchen der entsprechenden passenden Abbilder. Die sich überlagern (sie kommen ja aus der inneren Welt losgelöst vom Raum) und so gegenseitig verstärken.

Aufgrund dieses Verstärkungseffekts dominieren die im Bewusstseins-Netzwerk sich neubildenden Rezeptormoleküle in unserem Bewusstsein. Alle anderen sich nicht-synchron neu bildenden Rezeptormoleküle im Gehirn und auch alle im übrigen Körper sich neu bildenden Moleküle führen zwar auch zu Bewusstsein, das wird aber vom Verstärkungseffekt des Bewusstseins-Netzwerks völlig überdeckt.

Ich darf nochmals daran erinnern, dass das Bewusstseins-Netzwerk sich aus denjenigen Modulen im Gehirn zusammensetzt, die gemäß den Untersuchungen der Neurowissenschaftler zum Bewusstsein beitragen. Ohne dass sie allerdings erklären können, wie das geschieht. Das aus der Quantenphysik folgende Grundprinzip des Bewusstseins kann das jetzt erklären. Es passt also ganz hervorragend zu den Erkenntnissen der Neurowissenschaftler.

Das Grundprinzip des Bewusstseins löst auch das oben angesprochene Bindungsproblem. Kommen wir hierzu wieder zum Beispiel der roten Kugel zurück. Wenn Sie sie betrachten, dann werden zwei Module im Gehirn aktiv. Eines steht für die Kugel. Das andere steht für das Rot. Die Neuronen in den beiden Modulen feuern synchron. Dadurch tauchen die passenden Abbilder in beiden Modulen gleichzeitig auf. Die Abbilder des Moduls „Kugel“ führen zum Auftauchen der Kugel im Bewusstsein. Die Abbilder des Moduls „Rot“ führen entsprechend zum Auftauchen des Rots im Bewusstsein. Das synchrone Feuern führt dazu, dass die Kugel und das Rot zur gleichen Zeit auftauchen. Dadurch werden sie im Bewusstsein zur roten Kugel. Für die Neurowissenschaftler war das bislang ein Problem, da ja die beiden Module „Kugel“ und „Rot“ im Gehirn räumlich getrennt sind. Wie sollte das zu einer Einheit führen? Das ist das oben erläuterte Bindungsproblem. Mit den auftauchenden Abbildern aus reiner Information ist dieses Problem vom Tisch. Denn sie sind nicht-räumlich und daher ist es bei ihnen egal, wo sie im Gehirn auftauchen. Dadurch vereinigen sie sich im Bewusstsein, wenn sie gleichzeitig auftauchen.

Der Verstärkungseffekt aufgrund des synchronen Feuerns der Neuronen erklärt zwar, warum das Bewusstseins-Netzwerk in unserem Bewusstsein dominiert. Er erklärt aber nicht unser strukturiertes Bewusstsein. Denn wenn Sie vor sich eine rote Kugel und einen blauen Würfel nebeneinander auf dem Tisch liegen sehen, dann sind die rote Kugel und der blaue Würfel in ihrem Bewusstsein getrennt. Würden die bewusstseinsbildenden Neuronen alle völlig synchron feuern, dann gäbe es in Ihrem Bewusstsein eine Überlagerung der roten Kugel und des blauen Würfels und keine Trennung der beiden Objekte.

Das Gehirn ist aber tatsächlich raffinierter. Denn wie schon erläutert, feuert es nach Art eines Orchesters. Das bedeutet, dass die Neuronen des Bewusstseins-Netzwerks nicht völlig synchron feuern, sondern zeitlich fein abgestimmt. Wenn Sie die rote Kugel und den blauen Würfel betrachten, dann sind vier Module aktiv. Zwei für die beiden Formen, also „Kugel“ und „Würfel“, und zwei für die beiden Farben, also „Rot“ und „Blau“. Die beiden Module „Kugel“ und „Rot“ feuern völlig synchron, daher sehen sie die rote Kugel und nicht „Rot“ und „Kugel“ getrennt. Gleiches gilt für den blauen Würfel. Woher aber kommt die Trennung zwischen der roten Kugel und dem blauen Würfel? Die Ursache für die Trennung besteht darin, dass die beiden die rote Kugel bildenden Module und die beiden den blauen Würfel bildenden Module zeitlich zueinander versetzt feuern. Dieses zeitlich versetzte Feuern bewirkt die Trennung der roten Kugel und des blauen Würfels im Bewusstsein. Es ist genau diese zeitliche Abstimmung, die zu unserem strukturierten Bewusstsein führt.

Was nun bewirkt den Unterschied zwischen dem Rot des Sonnenuntergangs und der Musik der Rolling Stones? Das Rohmaterial ist ja immer das Gleiche. Das Rohmaterial sind immer die auftauchenden Abbilder. Zwar gibt es eine riesige Vielfalt von Rezeptormolekülen im Gehirn und damit auch eine riesige Vielfalt von Abbildern. Das erklärt aber zweifellos nicht den Unterschied zwischen Sehen und Hören. Oder zwischen dem Geruch von Parfüm und dem stechenden Zahnschmerz. Diese Unterschiede kommen von der zeitlichen Abstimmung beim Feuern der Neuronen des Bewusstseins-Netzwerks. Tatsächlich kann die zeitliche Abstimmung völlig unterschiedlich sein. Sie kann sehr statisch sein, das ist beispielsweise beim Sehen der Fall. Sie kann aber auch sehr dynamisch sein, das ist beispielsweise beim Hören der Fall. Ich kann hier aber nicht in Details gehen, weil das ein Thema ist, das noch nicht abgeschlossen ist. Nur das Grundprinzip ist weitgehend klar.

Die Neurowissenschaftler können das Gehirn noch so intensiv untersuchen, sie werden nie das Bewusstsein finden. Denn wie ich weiter oben anhand des Wasserstoffatoms erläutert habe, zerstört jede Beobachtung das Bewusstsein. Daher gibt es bei jedem Menschen eine Außen- und eine Innensicht. Die Außensicht ist die des untersuchenden Neurowissenschaftlers. Vom Bewusstsein findet er nichts. Er findet nur die Neuronen, die das Bewusstseins-Netzwerk bilden. Die Innensicht ist das Bewusstsein jedes Menschen. Das ist sein „Ich“. Gebildet wird das „Ich“ von den vielen Billionen von Abbildern, die in jedem Augenblick in seinem Bewusstseins-Netzwerk auftauchen. Das „Ich“ stammt also aus der inneren Welt. Wobei die innere Welt nur das Rohmaterial für das „Ich“ liefert. Für die Strukturierung des Bewusstseins und damit des „Ichs“ sorgt das Gehirn. Denn die Strukturierung kommt, wie von mir erläutert, vom zeitlich abgestimmten Feuern der Neuronen des Bewusstseins-Netzwerks, und das wird natürlich vom Gehirn bewirkt. Die Strukturierung durch das Gehirn hört beim Tod auf, aber das Rohmaterial des „Ichs“ überlebt den Tod. In diesem Sinne ist jedes „Ich“ unsterblich.

In der Literatur wird sehr viel darüber spekuliert, warum wir eigentlich Bewusstsein haben. Diese Frage muss man umformulieren. Denn alle Atome und Moleküle haben ja schon Bewusstsein, zumindest im Moment ihrer Bildung. Man muss daher fragen, warum wir ein so ausgeprägtes und so gut strukturiertes Bewusstsein haben. Diese Frage ist leicht zu beantworten: Wir haben ein so ausgeprägtes und so gut strukturiertes Bewusstsein, weil es im Wachzustand immer ein großes Netzwerk von Modulen gibt, das ist das Bewusstseins-Netzwerk, dessen Neuronen zeitlich abgestimmt feuern.

Gehen wir aber noch einen Schritt weiter. Warum gibt es immer ein Netzwerk von Modulen, das zeitlich abgestimmt feuert? Das Gehirn bestimmt unser Verhalten. Das ergibt sich, so wie oben erläutert, aus dem Bewusstseins-Netzwerk, also aus der Zusammenarbeit sehr vieler Module. Die Zusammenarbeit erfolgt über den Austausch von elektrischen Impulsen. Würden die elektrischen Impulse zeitlich chaotisch erzeugt werden, dann wäre auch die Zusammenarbeit der Module chaotisch. Dann wäre auch das Resultat der Zusammenarbeit, also unser Verhalten, chaotisch. Auch wenn einem das Verhalten vieler Menschen chaotisch vorkommt, es ist kein wirkliches Chaos. Wirkliches Chaos wäre völlig unkontrolliertes Verhalten. Das aber kommt eher selten vor. Das zeigt, dass die Zusammenarbeit der vielen Module im Bewusstseins-Netzwerk fast immer geordnet abläuft. Weil die elektrischen Impulse, die sie austauschen, nicht chaotisch, sondern zeitlich abgestimmt erzeugt werden. Es ist natürlich nicht das Bewusstsein, was unser Verhalten bestimmt. Es ist das Bewusstseins-Netzwerk. Unser strukturiertes Bewusstsein ist nur das Resultat der koordinierten Zusammenarbeit der Module des Bewusstseins-Netzwerks. Unser strukturiertes Bewusstsein zeigt uns also, dass unser Gehirn vernünftig arbeitet.

Zu den offenen Fragen gehörte bislang, ob nur wir Menschen Bewusstsein haben. Wäre das so, so würde das bedeuten, dass Bewusstsein relativ plötzlich aufgetaucht ist. Üblicherweise geht man ja davon aus, dass die Affen und wir Menschen einen gemeinsamen Vorfahren haben. Das aber würde bedeuten, dass unser Gehirn nach der Trennung von den Affen vor einigen wenigen Millionen von Jahren eine derartige Veränderung erfahren hat, dass daraus das Bewusstsein entstanden ist. Tatsächlich gab es gar keine so große Veränderung. Zumindest nicht von großer qualitativer Natur. Zwar haben wir ein wesentlich größeres Großhirn, insbesondere eine wesentlich größere Großhirnrinde. Aber es gibt kaum qualitative Unterschiede. Das lässt den Schluss zu, dass auch Affen ein Bewusstsein ähnlich unserem strukturierten menschlichen Bewusstsein haben. Es ist aber schwächer ausgeprägt, weil ihre Bewusstseins-Netzwerke aus viel weniger Modulen bestehen. Man kann noch weitergehen. Alle Tiere mit Gehirn haben ein strukturiertes Bewusstsein. Je weniger komplex aber ein Gehirn ist, desto weniger Module sind in den Bewusstseins-Netzwerken enthalten und desto schwächer ausgeprägt ist dann auch das Bewusstsein.

Wer hat noch alles ein strukturiertes Bewusstsein ähnlich unserem menschlichen Bewusstsein? Haben auch Computer ein solches Bewusstsein? Der Philosoph David Chalmers ist der Meinung, Bewusstsein komme von der Informationsverarbeitung. Daher sollte auch ein Computer Bewusstsein besitzen, denn er macht ja nichts anderes als Informationsverarbeitung. Den nächsten Satz könnte ich mir eigentlich sparen, ich schreibe ihn aber trotzdem: Auch David Chalmers kann nicht erklären, wie aus der Informationsverarbeitung das Erlebnis des Bewusstseins entstehen könnte. Natürlich aber hat ein Computer kein strukturiertes Bewusstsein ähnlich unserem menschlichen Bewusstsein. Denn wir wissen ja jetzt, worauf es ankommt. Nämlich auf die zeitlich abgestimmte Neubildung von vielen Billionen von Molekülen. Und das gibt es bei den Computern zweifellos nicht. Zumindest nicht bei den heutigen Computern. Möglicherweise aber wird es das in der Zukunft geben. Es könnte in der Zukunft Computer geben, die hinsichtlich der zeitlich abgestimmten Neubildung von Molekülen unseren Gehirnen ähnlich sind. Diese Computer sollten dann ein strukturiertes Bewusstsein ähnlich unserem menschlichen Bewusstsein haben. Das hat nichts Erschreckendes an sich, da ja Bewusstsein ein absolut fundamentales Phänomen im Universum darstellt.

Wir sind davon überzeugt, einen freien Willen zu haben. Das beruht auf der Vorstellung, dass wir alle ein „Ich“ sind, das sich im Bewusstsein offenbart und das alle unsere Handlungen steuert. Im Gegensatz dazu sagen die meisten Neurowissenschaftler, dass der freie Wille eine Illusion sei. Es gibt für die Neurowissenschaftler keine übergeordnete bewusstseinshafte Instanz namens „Ich“, die unser Handeln steuert. Es gibt nur Gehirnprozesse, und nur sie bestimmen unser Handeln. Kann die Erklärung des Bewusstseins mittels der Quantenphysik hier etwas Licht ins Dunkel bringen?

Zunächst einmal besagt die Erklärung des Bewusstseins auch, so wie das die Neurowissenschaftler tun, dass unser Verhalten ausschließlich auf Gehirnprozessen beruht. Unser Bewusstsein ist keine übergeordnete und von den Gehirnprozessen unabhängige Instanz, sondern wird von den Gehirnprozessen hervorgerufen. Unser Bewusstsein ist ein Spiegelbild der Gehirnprozesse. Genauer gesagt ein Spiegelbild des Bewusstseins-Netzwerks, das auch stets viele hierarchisch ganz obenstehende Module enthält.

Das „Ich“ besteht, wie eben erläutert, aus den zeitlich abgestimmt im Bewusstseins-Netzwerk auftauchenden Abbildern aus der inneren Welt. Es ist das Bewusstseins-Netzwerk, das unser Verhalten bestimmt. Das „Ich“ ergibt sich aus dem Bewusstseins-Netzwerk und hat keinen Einfluss auf das Bewusstseins-Netzwerk und damit auch keinen Einfluss auf unser Verhalten. Entscheidend für unser Verhalten ist die Zusammensetzung des Bewusstseins-Netzwerks, und die wird vom Unbewussten bestimmt. Das Unbewusste ist also letztlich das, was unser Verhalten bestimmt. Aber wir meinen stets, dass es das „Ich“ ist, welches unser Verhalten bestimmt. Weil wir eben nicht wahrnehmen, wie es zum jeweiligen Bewusstseins-Netzwerk und damit zum „Ich“ kommt. Tatsächlich ergibt sich unser Verhalten aus dem, was unser Unbewusstes aus den aktuellen sensorischen und körperlichen Informationen und den Erfahrungen der Vergangenheit für das verhaltensbestimmende Bewusstseins-Netzwerk selektiert.

Ein Beispiel: Sie gehen im Wald spazieren und gelangen an eine Weggabelung. Sie müssen entscheiden, ob Sie rechts oder links weiterlaufen. Die unbewussten Gehirnprozesse halten es für wichtig, dass Ihr Körper Durst hat. Dieser Durst wird selektiert. Gleichzeitig taucht aus dem Unbewussten die Erinnerung auf, dass rechts bald eine Gaststätte kommen wird. Daher besteht Ihr Bewusstseins-Netzwerk aus den beiden Komponenten „Durst“ und „rechts kommt bald eine Gaststätte“. Das Bewusstseins-Netzwerk aktiviert daraufhin Ihre Muskeln so, dass Sie nach rechts weiterlaufen. Gleichzeitig nehmen Sie die auftauchenden Abbilder aus dem Bewusstseins-Netzwerk wahr. Das ist ihr „Ich“. Ihre Wahrnehmung sieht so aus: Ich laufe nach rechts weiter, weil ich Durst habe und weil ich mich erinnere, dass rechts bald eine Gaststätte kommt. Daher entsteht bei Ihnen die Illusion, dass Sie sich dafür entscheiden, dass Sie nach rechts weiterlaufen. Von einem vom „Ich“ kommenden freien Willen kann aber keine Rede sein. Denn die Entscheidung wurde letztlich von Ihrem „Unbewusstsein“ getroffen.