Existiert Gott?

Gemäß einer kürzlich durchgeführten Umfrage sind 60 % der Menschen in Deutschland davon überzeugt, dass Gott existiert. Das ist doch eigentlich ein erstaunliches Resultat. Wo doch die Naturwissenschaften die Existenz Gottes strikt ablehnen.

In den Naturwissenschaften dominiert das materielle Weltbild, in dem kein Platz für Gott ist. Zudem meinen die Naturwissenschaften, dass sie Gott gar nicht benötigen, weil sie auch alles ohne Gott erklären können. Wenn nicht jetzt, dann irgendwann in der Zukunft. Gott ist daher überflüssig. Dazu gibt es folgende Anekdote: Der französische Astronom Laplace schrieb zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Buch mit dem Titel „Himmelsmechanik“, das er Napoleon vorstellte. Offensichtlich hat es Napoleon trotz der anspruchsvollen Mathematik auch wirklich gelesen. Jedenfalls soll es daraufhin folgende Unterhaltung zwischen den beiden gegeben haben, in der Napoleon sagte: „Newton sprach in seinem Buch von Gott. Ich habe das Ihrige schon durchgesehen und dabei diesen Begriff kein einziges Mal gefunden“. Woraufhin Laplace erwiderte: „Bürger und Erster Konsul, ich habe dieser Hypothese nicht bedurft.“

Diejenigen Naturwissenschaftler, für die das materielle Weltbild tatsächlich alles ist, sind zwangsläufig Atheisten. Dazu gehört auch der populäre Biologe und Sachbuchautor Richard Dawkins. Er hat vor ein paar Jahren ein Buch geschrieben mit dem Titel „Der Gotteswahn“. Ich habe mir das Buch gekauft und zumindest teilweise auch gelesen. Er äußert sich darin abfällig über alle religiösen Menschen. Seiner Meinung nach müssen diejenigen, die an Gott glauben, ziemlich dämlich sein. Für ihn ist es nämlich völlig klar, dass es keinen Gott geben kann. Mehr noch, die Annahme eines Gottes ist für ihn völliger Unsinn. Sein Argument besteht darin, dass er sagt, dass Gott als Schöpfer des Universums viel komplexer sein muss als das Universum selbst. Er muss also äußerst komplex sein, und damit wird er für Dawkins extrem unwahrscheinlich. Dazu muss man wissen, dass für die Naturwissenschaften und damit auch für die Biologie der alles entscheidende Faktor der Zufall ist. Alles Neue entsteht für die Biologen immer zufällig. Und je komplexer etwas ist, desto geringer die Wahrscheinlichkeit für die zufällige Entstehung. In der Biologie geht es dabei zwar nur um das Neue bei Lebewesen. Aber da der Zufall im Denken von Dawkins dominierend ist, überträgt er ihn auch auf Gott. Letztlich ist das aber eine sehr gewagte Schlussfolgerung.

Die Religionen sind natürlich von der Existenz Gottes völlig überzeugt. Und Religionen gibt es solange es Menschen gibt. Offensichtlich sind sie ein untrennbar zum Menschen gehörendes Bedürfnis. Ich denke, dass das auf zwei Dingen basiert. Einmal auf der Angst. Die führt zum helfenden Gott. Also zum Gott, der die Menschen aus existenzbedrohenden Situationen retten kann. Die Angst kommt ja von existenzbedrohenden Situationen. Wobei der Mensch, das unterscheidet ihn von den Tieren, sich existenzbedrohende Situationen auch vorstellen kann und schon bei der reinen Vorstellung Angst bekommt. Vorstellen kann man sich nun existenzbedrohende Situationen beliebig oft und beliebig lange. Das führt dann zur chronischen Angst. Die ja das Problem sehr vieler Menschen ist. Der helfende Gott dient also dazu, die Angst zu vermindern. Dazu gehört natürlich auch die Verminderung der Angst vor dem Tod, indem Gott für ein neues Leben sorgt.

Neben der Angst zeichnet den Menschen aber noch etwas anderes aus: Er will für alles eine Erklärung. Daher gibt es neben dem helfenden Gott auch noch den allmächtigen Gott. Er liefert eine Erklärung für die ungelösten Rätsel der Menschheit. Wie zum Beispiel die Ursache für das Universum. Zwar haben die Naturwissenschaften dafür gesorgt, dass die Zahl der ungelösten Rätsel im Laufe der Zeit immer kleiner geworden ist. Allerdings sind alle fundamentalen Rätsel, insbesondere die Ursache für das Universum, nach wie vor ungelöst. Deshalb hat der allmächtige Gott für viele Menschen immer noch seine Berechtigung. Für den helfenden Gott gilt das sowieso. Denn an der Angst hat sich nichts geändert, die ist immer gleich belieben. Daher konnten die Naturwissenschaften die Religionen auch nicht verdrängen. Daher haben die Religionen immer noch regen Zulauf.

Das klingt jetzt so, als ob Gott ein Produkt des menschlichen Gehirns sei. Das ist er natürlich, weil alles ein Produkt des menschlichen Gehirns ist. Wobei es bei den Produkten des menschlichen Gehirns aber einen mehr oder weniger starken Bezug zur Realität gibt. Sonst wäre unser Gehirn nicht für unser Überleben geeignet. Bei manchen Produkten des Gehirns ist der Bezug zur Realität sehr stark. Zum Beispiel bei dem, was Sie jetzt um sich herum erblicken. Bei manchen Produkten ist der Bezug zur Realität hingegen nur schwach oder sogar überhaupt nicht vorhanden. Zum Beispiel, wenn ich mich in Gedanken als den nächsten Papst sehe. Wie hoch nun ist der Bezug zur Realität bei Gott? Gibt es Gott wirklich? Das ist die Frage, die ich hier auf dieser Seite diskutieren werde.

Was bringen eigentlich die Befürworter Gottes für Argumente? Es gibt die eher philosophisch angehauchten sogenannten Gottesbeweise. Die natürlich alle keine Gottesbeweise sind. Ansonsten wäre die Frage nach Gott ja entschieden und auch die Naturwissenschaften würden die Existenz Gottes akzeptieren. Es gibt hauptsächlich drei Arten von Gottesbeweisen. Der am wenigsten überzeugende ist der ontologische Gottesbeweis. Da wird versucht, Gott durch reines Nachdenken zu beweisen. In dem Sinne, dass er rein von der Logik her existieren muss. Besser sind da schon die beiden anderen Arten von Gottesbeweisen. Es gibt den kosmologischen Gottesbeweis. Zusammengefasst besagt er, dass Gott existieren muss, weil es ja jemanden gegeben haben muss, der das Universum erschaffen hat. Dem halten die Physiker das Argument entgegen, dass das Universum sich selbst erschaffen hat, in Form einer zufälligen Quantenfluktuation. Wobei unklar bleibt, wer die physikalischen Gesetze für die Quantenfluktuation geschaffen hat. Dann gibt es noch den teleologischen Gottesbeweis. Der besagt, dass das Universum ein Ziel hat und dass deswegen jemand hinter dem Ziel stecken muss, eben Gott. Das üblicherweise genannte Ziel sind natürlich wir Menschen. Gott hat also das Universum geschaffen, damit wir Menschen entstehen konnten. Dem halten die Naturwissenschaftler entgegen, dass alles auf dem Zufall beruht. So auch die Evolution der Lebewesen. Wir Menschen sind demnach nicht gewollt, sondern ein reines Zufallsprodukt der Evolution.

Zusammengefasst: Die Existenz Gottes ist spekulativ. Was aber ist mit dem Zufall? Ist er überzeugend? Der Zufall hat ein Riesenproblem, das ist die sogenannte Feinabstimmung der Naturkonstanten. Was ich jetzt näher erläutern werde.

Wenn Sie die Materie immer weiter zerteilen, dann landen Sie irgendwann bei den Atomen. Die lassen sich ganz hervorragend mit der Quantenmechanik beschreiben, in deren Mittelpunkt die Schrödingergleichung steht. Aber Atome kann man noch weiter zerteilen, in die Atomkerne und die Elektronen. Die Elektronen kann man nicht weiter zerteilen, sie sind Elementarteilchen. Aber die Atomkerne lassen sich sehr wohl weiter zerteilen. In die Protonen und Neutronen. Und die kann man, zumindest theoretisch, in je drei Quarks zerteilen.

Auf die Atomkerne lässt sich die Quantenmechanik nur sehr schlecht anwenden, da sie nicht die spezielle Relativitätstheorie berücksichtigt. Sie wird bei sehr hohen Geschwindigkeiten aber wichtig und die Quarks haben sehr hohe Geschwindigkeiten. Tatsächlich gibt es neben der Quantenmechanik auch noch die Quantenfeldtheorien. Und die berücksichtigen die spezielle Relativitätstheorie. Die Quantenfeldtheorien sind die fundamentalsten Theorien überhaupt. Sie sind für alle Elementarteilchen zuständig. Beschreiben insbesondere auch die Kräfte zwischen den Elementarteilchen. Wobei die Physiker lieber von Wechselwirkungen als von Kräften sprechen. Um es noch etwas komplizierter zu machen: Es gibt vier verschiedene Wechselwirkungen. Drei werden von den Quantenfeldtheorien beschrieben und eine, die Gravitation, von der allgemeinen Relativitätstheorie. Wie ich schon auf der Seite „Einführung in die Physik“ erläutert habe, besteht das große Problem der heutigen Physik darin, dass sich die Quantenfeldtheorien und die allgemeine Relativitätstheorie nicht überzeugend vereinigen lassen.

Theorien bestehen aus Gleichungen, die in der Regel die Dynamik, also die Veränderung, charakterisieren. Die Gleichungen enthalten aber auch Konstanten, die sogenannten Naturkonstanten. Insbesondere die Quantenfeldtheorien haben sehr viele Naturkonstanten, über zwanzig. Deren Werte, das ist ganz wichtig, ergeben sich nicht aus den Quantenfeldtheorien. Sie können im Grunde frei gewählt werden. Allerdings passt nur ein einziger Satz von Werten zu unserem Universum. Sollen also die Quantenfeldtheorien mit der Realität übereinstimmen, dann muss genau der zu unserem Universum passende Satz von Werten der Naturkonstanten in die Gleichungen eingesetzt werden. Das klingt zunächst nicht sonderlich aufregend, es ist aber tatsächlich extrem aufregend.

Offensichtlich gibt es mindestens einen Planeten im Universum mit Lebewesen. Die basieren auf dem Kohlenstoff. Ist die Existenz des Kohlenstoffs selbstverständlich? Nein, überhaupt nicht, es ist vielmehr ein unglaubliches Wunder. Denn nur der zu unserem Universum passende Satz von Werten der Naturkonstanten garantiert die Existenz des Kohlenstoffs. Bereits geringste Abweichungen würden die Existenz des Kohlenstoffs verhindern. Das nennt man die Feinabstimmung der Naturkonstanten. Eines der größten Rätsel überhaupt.

Wer hat für die Feinabstimmung der Naturkonstanten gesorgt? Die Physiker gehen davon aus, dass sich die Werte der Naturkonstanten beim Urknall völlig zufällig ergeben haben. Aber die Wahrscheinlichkeit, zufällig die genau richtigen für die Entstehung des Kohlenstoffs zu finden, war absurd gering. Das schreit nach einer tiefergehenden Erklärung. Für alle gläubigen Menschen stellt Gott die Erklärung dar. Er hat das Universum geschaffen. Mit den richtigen Werten der Naturkonstanten, damit wir Menschen entstehen konnten.

Aber es gibt noch eine Erklärung und die basiert auf dem Zufall. Das ist das Multiversum. Demnach existiert nicht nur ein einziges Universum, sondern es existieren unermesslich viele Universen. Alle mit zufällig gefundenen und damit unterschiedlichen Sätzen von Werten der Naturkonstanten. Dann gibt es auch ein paar Universen, unseres gehört natürlich dazu, mit den genau richtigen Werten der Naturkonstanten für die Entstehung des Kohlenstoffs. Und das ohne irgendeine Absicht.

Allerdings hat das Multiversum einen grundsätzlichen Schwachpunkt. Denn bis auf unser Universum lassen sich alle anderen Universen nicht nachweisen. Daher ist das Multiversum spekulativ. Solange keine bessere Erklärung für den Zufall gefunden wird, ist daher der Zufall genauso spekulativ wie die Absicht, also wie Gott.

Die innere Welt bringt jetzt einen neuen Aspekt ins Spiel. Zwar ist ihre Existenz nicht sicher, aber die unterschiedlichen Hinweise machen sie doch sehr wahrscheinlich. Wie ich hier auf dieser Website ausführlich erläutere, wird bei jeder Neubildung eines Atoms oder Moleküls ein Abbild dieses Atoms oder Moleküls in der inneren Welt erzeugt. Das besteht aus reiner Information und ist daher unvergänglich. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass die innere Welt das perfekte Gedächtnis darstellt. Alles, was in der materiellen Welt bislang passiert ist, auch die kleinste Kleinigkeit, ist in der inneren Welt archiviert und zwar für immer.

Kommen wir zurück zum Zufall der Naturwissenschaften. Wenn alles reiner Zufall wäre, warum sollte es dann für immer archiviert werden? Das passt doch überhaupt nicht zusammen. Aber es passt sehr wohl zur Absicht. Denn wenn ich etwas mit Absicht erzeuge, dann will ich auch, dass es nicht wieder vernichtet wird. Dann will ich, dass es für immer erhalten bleibt. Daher kann man sagen, dass die innere Welt die Absicht gegenüber dem Zufall deutlich stärkt. Natürlich bedeutet die Absicht die Existenz einer höheren Wirklichkeit. Es muss ja „etwas“ geben, das die Absicht hat. Die höhere Wirklichkeit kann man „Gott“ nennen, das ist kein Problem. Aber ist dieser Gott der Absicht auch der Gott der Religionen? Also der Gott der Christen, oder Allah, der Gott der Moslems? Beide Götter sind ja personale Götter. Man kann sie anbeten, man kann sie um etwas bitten. Sie sind keine abstrakten Wesenheiten. Der sich aus der inneren Welt ergebene Gott könnte zwar durchaus ein personaler Gott sein, das folgt aber nicht aus der inneren Welt. Man kann aus ihr nur schließen, dass das Universum mit Absicht geschaffen wurde und nicht auf einem Zufall beruht.

In jedem Fall liefert die innere Welt einen auf den Naturwissenschaften beruhenden Hinweis auf Gott. Der könnte auch ein personaler Gott sein. Falls sich also irgendwann die Erkenntnis durchsetzt, dass die innere Welt existiert, dann hat das auch Auswirkungen auf alle gläubigen Menschen. Zumindest auf diejenigen, die den bislang vorhandenen Graben zwischen ihrer Religion und den Naturwissenschaften erkennen. Die innere Welt macht den Graben zweifellos weniger tief. Beseitigen kann sie ihn zwar nicht, es sollte aber alle gläubigen und gegenüber den Naturwissenschaften nicht verschlossenen Menschen in ihrem Glauben stärken.