Wie Bewusstsein entsteht

Kehren wir zum Anfang meiner Geschichte zurück. Vor ein paar Jahren wollte ich etwas Neues schaffen und suchte mir das Thema „Bewusstsein“ aus. Mit ihm beschäftigen sich vor allem die Philosophen und die Neurowissenschaftler. Die Philosophen versuchen, dem Bewusstsein durch reines Nachdenken auf die Spur zu kommen. Bislang ohne Erfolg. Die Neurowissenschaftler schauen sich das Gehirn genau an. Dem Bewusstsein sind sie aber dadurch nicht nähergekommen. Warum scheitern alle ihre Bemühungen? Das liegt am materiellen Weltbild der Philosophen und Neurowissenschaftler. Für sie gibt es nur die Materie, sonst nichts. Das Bewusstsein muss deshalb eine Eigenschaft der Materie sein. Aber wie aus ihr beispielsweise das Erleben des Rots eines Sonnenuntergangs entsteht, das können sie nicht erklären. Da gibt es nicht den Hauch eines Ansatzes.
Das lässt nur den Schluss zu, dass das materielle Weltbild unvollständig ist. Es muss ergänzt werden. Wie im vorletzten Kapitel erläutert, zeigen die Erklärung der Verschränkung und die Lösung des Messproblems, wie die Ergänzung aussieht: Es gibt neben der materiellen Welt eine von Raum und Materie losgelöste innere Welt. Ist sie die Welt des Bewusstseins? Das drängt sich auf. Und schon sind wir beim sogenannten Dualismus. Der geht auf den Franzosen René Descartes (1596-1650) zurück, der sehr vielseitig war. Er war Jurist, Mathematiker, Physiker und Philosoph. Aber auch Soldat im Dreißigjährigen Krieg. Descartes jedenfalls sagte, dass Geist (= Bewusstsein) und Materie zwei völlig verschiedene Dinge sind. Die Materie ist ausgedehnt, man kann sie wahrnehmen. Der Geist ist nicht ausgedehnt, man kann ihn daher auch nicht direkt wahrnehmen. Dem gegenüber steht der Monismus. Er besagt, dass Materie und Geist das Gleiche sind. Der Geist gehört also untrennbar zur Materie. Er ist eine Eigenschaft der Materie. Wie schon festgestellt, sind heute die Philosophen und auch die Neurowissenschaftler Anhänger des Monismus. Das liegt am großen Schwachpunkt des Dualismus. Er kann nämlich nicht erklären, wie der Geist, so wie das im Gehirn geschieht, mit der Materie wechselwirkt. Allerdings hat auch der Monismus ein riesiges Problem. Denn wie die Materie den Geist hervorbringt, das kann er nicht sagen, auch nicht ansatzweise.
Die innere Welt ist die Welt des Bewusstseins und damit des Geistes. Das ist purer Dualismus. Aber die innere Welt beseitigt seinen Schwachpunkt. Denn mit ihr lässt sich erklären, wie der Geist mit der Materie wechselwirkt. Die innere und die materielle Welt sind nämlich aufs Engste miteinander verbunden, denn es herrscht zwischen ihnen ein intensiver Informationsaustausch. Der findet bei jeder Bildung eines Atoms oder Moleküls statt. Also wenn zum Beispiel ein Elektron von einem Proton eingefangen wird, das führt zur Bildung eines neuen Wasserstoffatoms. Bei jeder Bildung passiert zweierlei. Erstens wird vom sich bildenden Atom oder Molekül ein Abbild aus reiner Information in der inneren Welt erzeugt. Anders ausgedrückt: Sich neu bildende Materie erzeugt neuen Geist. Zweitens tauchen alle bereits in der inneren Welt vorhandenen und passenden Abbilder am Ort des sich bildenden Atoms oder Moleküls auf und erzeugen seine Superpositionszustände. Die sorgen für die Stabilität des sich bildenden Atoms oder Moleküls. Anders ausgedrückt: Bei sich neu bildender Materie taucht der Geist in Form der passenden Abbilder auf, verändert die Materie und sorgt so für deren Stabilität. Das ist die gesuchte Wechselwirkung zwischen Geist und Materie und sie liefert den Schlüssel zum Bewusstsein: Es sind die auftauchenden Abbilder, die das darstellen, was wir unter Bewusstsein verstehen. Schon ein Atom oder Molekül hat also Bewusstsein. Allerdings nur im Moment seiner Bildung, wenn der Geist auftaucht, in Form der Abbilder aus der inneren Welt. Sobald die Bildung abgeschlossen ist, ziehen sich die Abbilder wieder zurück und das Bewusstsein verschwindet. Das kann man das Grundprinzip des Bewusstseins nennen. Selbstverständlich ist das Bewusstsein eines Atoms oder Moleküls nicht mit unserem menschlichen Bewusstsein zu vergleichen. Aber es bildet seine Grundlage, wie ich jetzt erläutern werde.