Das Grundprinzip des Bewusstseins

Wie ich schon weiter oben gesagt habe, ist der Physikalismus die Standardversion des Monismus. Ausgangspunkt für meine Hypothese der inneren Welt (HIW) war eine Variante des Monismus, die sich Zwei-Aspekte-Monismus nennt. Die Materie hat demnach zwei Aspekte. Der eine ist die äußere Natur, das ist der physikalische Aspekt. Der andere ist die innere Natur, die eng mit dem Bewusstsein verbunden ist. Sie ist fundamentaler, denn die äußere Natur wird von ihr erzeugt.
Es gibt die radikale und die gemäßigte Variante des Zwei-Aspekte-Monismus. Für die radikale stellt die innere Natur bereits Bewusstsein dar, für die gemäßigte ist sie nur Proto-Bewusstsein und wird erst durch einen Prozess zu Bewusstsein. Beide Varianten haben die gleichen zwei Probleme. Einmal das Kombinations-Problem, also wie sich die unzähligen Mikro-Erleben in unserem Körper zum einheitlichen Erleben vereinigen. Zum anderen gibt es das Dominanz-Problem. Also warum das Gehirn-Bewusstsein dominiert. Ich wählte die gemäßigte Variante zu meinen Ausgangspunkt, da ich davon überzeugt war, dass sich mittels eines Prozesses die beiden Probleme leichter lösen lassen. Meine Aufgabe bestand also darin, den Prozess zu finden, der Proto-Bewusstsein zu Bewusstsein macht. Ich kam aber zunächst nicht voran, bis ich, inspiriert vom Phänomen der Verschränkung, die Idee mit der inneren Welt hatte und daraus dann die HIW entwickelte. Das lieferte mir den gesuchten Prozess und mit ihm lassen sich, wie ich noch zeigen werde, das Kombinations- und das Dominanz-Problem lösen.
Der gesuchte Prozess ist der im letzten Kapitel erläuterte Entfaltungsvorgang. Er findet bei jeder Bildung eines Atoms oder Moleküls statt. Die entsprechende innere Natur aus der inneren Welt bindet an den Ort der Bildung an und es kommt zu einem Entfaltungsvorgang: Die Information über die Strukturierung des Raumes wird in die tatsächliche Strukturierung des Raumes umgewandelt. Das ist es, was Bewusstsein erzeugt. Es stellt somit Information aus der inneren Welt dar. Sie wird in dem Moment zu Bewusstsein, also zu einem Erleben, wenn sie in der räumlichen Welt auftaucht. Bewusstsein ist also ein Phänomen, das an der Grenze zwischen der inneren und der räumlichen Welt auftritt. Was zeigt, warum unser Bewusstsein so eigenartig ist. Es scheint einerseits räumlich lokalisiert zu sein, andererseits hat es aber auch einen nicht-räumlichen Charakter.
Das ist das Grundprinzip des Bewusstseins. Es gibt es bei jeder Bildung eines Atoms oder Moleküls. Wobei es nur sehr kurzzeitig vorhanden ist, denn es verschwindet wieder, wenn die Strukturierung des Raumes abgeschlossen ist. Man kann daher sagen, dass jede Bildung eines Atoms oder Moleküls mit einem „Bewusstseinsblitz“ verbunden ist.
Selbstverständlich ist auch der mit der Bildung eines einzelnen Riesenmoleküls verbundene Bewusstseinsblitz in keiner Weise mit unserem menschlichen Bewusstsein zu vergleichen. Ich greife daher jetzt etwas vorweg: In unserem Gehirn werden ständig Moleküle in unermesslicher Zahl gebildet. Jede Bildung sorgt für einen Bewusstseinsblitz. Sie stellen die winzigen Bausteine unseres Bewusstseins dar und das Gehirn setzt sie, wie ich noch erläutern werde, zu unserem intensiven und strukturierten menschlichen Bewusstsein zusammen.
Der Zwei-Aspekte-Monismus ist eng verwandt mit dem Panpsychismus. Der sagt, dass alles Bewusstsein hat, auch schon ein Elementarteilchen. Das stimmt nicht ganz, denn Elementarteilchen haben niemals Bewusstsein. Zwar können sich Elementarteilchen neu bilden, das geschieht zum Beispiel massenhaft bei den Experimenten beim LHC (Large Hadron Collider) in Genf. Aber bei ihnen gibt es keine Entfaltungsvorgänge, dadurch kennen sie kein Bewusstsein.
Die Standardversion des Monismus ist der Physikalismus. Er besagt, dass Bewusstsein eine Eigenschaft der Materie ist, so wie sie von der Physik beschrieben wird. Also eine Eigenschaft ihrer äußeren Natur. Das ist auch die Meinung der Neurowissenschaftler. Offensichtlich aber ist das nicht zielführend, denn sie kommen dem Bewusstsein nicht einen Schritt näher. Andererseits können sie gar keine andere Meinung haben, denn sie sind den Methoden der Naturwissenschaften verpflichtet. Die basieren auf der Physik und sie lässt nur Aussagen zur äußeren Natur der Materie zu. Eine über die Physik hinausgehende Annahme ist nötig, so wie das der Zwei-Aspekte-Monismus macht. Nämlich die Annahme, dass die Materie auch noch eine innere Natur besitzt, zu der die Physik nichts sagen kann. Allerdings kommt der Zwei-Aspekte-Monismus dem Bewusstsein damit auch nicht auf die Spur. Offensichtlich ist eine weitere Annahme nötig. Die machte ich auch und sie lässt sich mit der Quantenphysik sehr plausibel begründen: Die innere Natur befindet sich in der vom Raum losgelösten inneren Welt. Erst das führte mich zu dem Prozess, der aus Proto-Bewusstsein Bewusstsein macht.