Die Lösung des Rätsels der Verschränkung

Wie schon festgestellt, war die gemäßigte Variante des Zwei-Aspekte-Monismus mein Ausgangspunkt für die Erklärung unseres Bewusstseins. Im ersten Schritt musste ich die bislang spekulativen inneren Naturen begründen. Das sollte mittels der Lösung des Rätsels der Verschränkung geschehen. Bleiben wir beim Beispiel der Socken. Ich nahm also an, dass sie auch eine innere Natur besitzen. Damit alleine kam ich allerdings nicht weiter, etwas Zusätzliches war offensichtlich noch nötig.
Irgendwie sind die verschränkten Socken von Alex und Paul miteinander verbunden, auch wenn sie sehr weit voneinander entfernt sind. In der räumlichen Welt ist das zweifellos nicht der Fall, in einer Welt losgelöst vom Raum ist das aber sehr wohl möglich. Also nahm ich an, dass es auch noch eine Welt losgelöst vom Raum gibt. Mir war sofort klar, dass zur Lösung des Rätsels der Verschränkung die räumliche und die nicht-räumliche Welt aufs Engste miteinander verbunden sein müssen. Wie aber sieht die Verbindung aus? Da drängte sich eine Idee regelrecht auf: Die inneren Naturen befinden sich nicht, wie bislang angenommen, in der räumlichen Welt, sondern in der nicht-räumlichen Welt. Die Elementarteilchen, Atome und Moleküle, die sich natürlich in der räumlichen Welt befinden, werden von ihren inneren Naturen erzeugt. Daher müssen beide Welten eng miteinander verbunden sein. Denn überall dort, wo sich in der räumlichen Welt ein Elementarteilchen, Atom oder Molekül befindet, ist die nicht-räumliche Welt in Form der entsprechenden inneren Natur an die räumliche Welt angebunden.
Der nicht-räumlichen Welt gab ich auch einen Namen, ich nenne sie konsequenterweise die innere Welt.
Jede Sorte Elementarteilchen, Atom oder Molekül hat ihre eigene innere Natur, die ist aber jeweils nur ein einziges Mal vorhanden. Das ist einfach einzusehen, denn in der nicht-räumlichen inneren Welt gibt es keine räumliche Trennung. Folglich kann es von einer bestimmten inneren Natur auch nicht zwei oder mehrere Exemplare geben. Aber es existieren natürlich beliebig viele Elementarteilchen, Atome und Moleküle von jeder Sorte. Das funktioniert, weil zum Beispiel die innere Natur des Elektrons an beliebig vielen Orten an die räumliche Welt anbinden kann. Und überall dort, wo das geschieht, taucht ein Elektron auf. Die dadurch alle zwangsläufig identisch sind. Das gilt ebenso für alle anderen Elementarteilchen und auch für alle Atome und Moleküle der gleichen Sorte. Die Quantentheorie liefert hierfür keine Erklärung, die Identität wird vielmehr vorausgesetzt, da sie perfekt mit der Realität übereinstimmt.
Wann sind die inneren Naturen entstanden? Beginnen wir mit den Elementarteilchen. Die meisten von ihnen sind direkt nach dem Urknall erzeugt worden, aus ihren inneren Naturen heraus. Es muss sie daher schon beim Urknall gegeben haben. Zwei Fragen drängen sich auf. Erstens: Wer hat sie geschaffen? Zweitens: Warum liefern sie genau die richtigen Eigenschaften für die Entstehung des Kohlenstoffs, der Basis allen Lebens? Diese zwei absolut fundamentalen Fragen diskutiere ich im letzten Kapitel. Kommen wir jetzt zu den inneren Naturen der Atome und Moleküle.
Wann zum Beispiel ist die der Wasserstoffatome entstanden? Die Antwort lautet, dass das passierte, als sich das allererste Wasserstoffatom in der räumlichen Welt gebildet hat. Das geschah etwa 400.000 Jahre nach dem Urknall. Da hatte sich die räumliche Welt so weit abgekühlt, dass sich Protonen und Elektronen vereinigen konnten. So entstand das erste Wasserstoffatom und bei seiner Entstehung wurde auch die innere Natur der Wasserstoffatome erzeugt. Wie muss man sich das vorstellen? Das ist etwas knifflig, denn es kommt die Welt der Mathematik ins Spiel. Wie wir gesehen haben, muss man davon ausgehen, dass sie keine Erfindung des Menschen darstellt, sondern eine von uns unabhängige Realität besitzt.
Zweifellos haben Sie in der Schule Physik gelernt. An was erinnern Sie sich? Vermutlich daran, dass sie immer mit Mathematik verbunden ist. Was die Attraktivität der Physik nicht unbedingt erhöht. Aber man kommt leider nicht um die Mathematik herum, sie ist für die Physik unentbehrlich. Galileo Galilei (1564 – 1642), er gilt als der Vater der modernen Physik, drückte es sinngemäß so aus: „Das Buch der Natur ist in der Sprache der Mathematik geschrieben“.
Mit den Sinnen nehmen wir die materielle Welt wahr und erkennen in ihr eine Ordnung. Durch unser Denken können wir in die Welt der Mathematik eintauchen. In ihr lassen sich die physikalischen Gesetze finden, mit denen man die Ordnung der materiellen Welt zusammenfassen kann. Wobei völlig unklar ist, warum das funktioniert.
Man kann die Welt der Mathematik als die Welt aller Möglichkeiten bezeichnen. Daher stellen die physikalischen Gesetze, also die realisierten Möglichkeiten, nur einen winzigen Teil von ihr dar.
Das wichtigste Gesetz der Quantentheorie ist die Schrödinger-Gleichung. Ihre Lösungen nennt man Wellenfunktionen. Jedem Atom und Molekül wird eine solche zugeordnet. Wie ich schon erläutert habe, liefert sie Superpositionszustände. Sie bedeuten, dass sich die Elektronen an sehr vielen verschiedenen Orten gleichzeitig befinden und man ihnen sehr viele verschiedene Geschwindigkeiten zuordnen muss. Wobei es die Orte und Geschwindigkeiten relativ zu den Kernen sind. Daher liefern die Wellenfunktionen die räumlichen Beziehungen zwischen den Kernen und den Elektronen.
Zurück zum sich bildenden allerersten Wasserstoffatom. Im ersten Schritt trafen sich ein Proton und ein Elektron. Gemäß der herkömmlichen Physik passierte dann im zweiten Schritt das Folgende: Das Treffen von Proton und Elektron wurde von der Welt der Mathematik registriert. Ihre Eigenschaften legten fest, wie die Wellenfunktion der Wasserstoffatome auszusehen hat. Sie wurde daher entsprechend aus der Welt der Mathematik ausgewählt und schrieb dann vor, wie das allererste Wasserstoffatom auszusehen hat. Schrieb also die räumliche Beziehung zwischen dem Proton und dem Elektron vor. Soweit die herkömmliche Physik. Mit den inneren Naturen ändert sich das Szenario, denn jetzt sind sie es, die die physikalischen Eigenschaften vorschreiben.
Daher bestand der zweite Schritt darin, dass sich zunächst die innere Natur der Wasserstoffatome bildete. Das geschah folgendermaßen: Wieder wurde die passende Wellenfunktion aus der Welt der Mathematik ausgewählt. Aber jetzt schrieb sie nicht vor, sondern vereinigte sich mit der inneren Natur der Protonen und der der Elektronen zur inneren Natur der Wasserstoffatome. Und die war es dann, die im dritten Schritt dem sich bildenden ersten Wasserstoffatom vorschrieb, wie es auszusehen hat.
Vergleichbares passierte bei allen anderen Sorten von Atomen und Molekülen. Ihre inneren Naturen entstanden also genau dann, als sich das entsprechende Atom oder Molekül das erste Mal bildete.
Was wäre, wenn beispielsweise die innere Natur der Elektronen zerstört würde? Gäbe es dann keine Elektronen mehr? Theoretisch wäre das so. Aber die Voraussetzung stimmt nicht, denn die innere Natur der Elektronen kann nicht zerstört werden. Das gilt natürlich auch für alle anderen inneren Naturen. Sie können nicht zerstört werden, weil in der inneren Welt alles unvergänglich ist, alles bleibt für immer erhalten. Warum ist das so? Zum Zerstören sind Raum und Zeit nötig und beides gibt es nicht in der inneren Welt. Wie Sie noch sehen werden, ist die Unvergänglichkeit der inneren Naturen der Schlüssel zum Leben nach dem Tod.
Kommen wir jetzt zur Lösung des Rätsels der Verschränkung. Dazu wieder zurück zu den Socken von Alex und Paul. Sie sollen zur Quantenwelt gehören und miteinander verschränkt sein. Jetzt aber haben sie auch eine innere Natur in der vom Raum losgelösten inneren Welt. Da die physikalischen Eigenschaften aus den inneren Naturen hervorgehen, stecken die Wellenfunktionen in ihnen. Das habe ich anhand des allerersten Wasserstoffatoms erläutert. Verschränkung bedeutet, dass die verschränkten Objekte eine gemeinsame Wellenfunktion besitzen, daher haben sie auch eine gemeinsame innere Natur. Das gilt selbstverständlich auch für die beiden Socken.
Nehmen wir nun wieder an, dass Alex nach Mallorca fährt und Paul nach Izmir und beide haben eine der verschränkten Socken in ihrem Koffer. In der räumlichen Welt gibt es keine Verbindung zwischen den beiden Socken, was das Phänomen der Verschränkung so rätselhaft macht. In der inneren Welt gibt es sie aber sehr wohl, denn sie haben ja eine gemeinsame innere Natur. Jetzt öffnet Alex seinen Koffer und schaut auf die Socke. Das führt dazu, dass sie ihren Superpositionszustand aus Rot und Grün verliert und eine eindeutige Farbe annimmt. Die ist entweder rot oder grün, wobei die Auswahl völlig zufällig erfolgt. Ist es rot, dann führt die Verschränkung dazu, dass die Socke im noch geschlossenen Koffer von Paul ohne Zeitverzögerung die Farbe Grün annimmt. Oder Rot, wenn die von Alex zu Grün wird. Mit der gemeinsamen inneren Natur lässt sich das erklären.
Dazu zurück zu Alex, seinem Öffnen des Koffers und dem Betrachten der Socke. Das stellt eine Messung dar und Alex ist das Messgerät. Auch er hat eine innere Natur. Die Messung führt dazu, dass Alex und seine Socke miteinander verschränkt sind. Wobei Alex tatsächlich mit beiden Socken verschränkt ist. Was die Bildung einer neuen inneren Natur bewirkt. Sie besteht aus der gemeinsamen inneren Natur der beiden Socken und der inneren Natur des Messgeräts, also der von Alex. Wie bei jeder Messung kollabiert jedoch der Superpositionszustand. Da die inneren Naturen die gesamte Information über die physikalischen Eigenschaften enthalten, steckt in der neuen inneren Natur auch die Information über das Messresultat. Nehmen wir an, die Socke von Alex nimmt beim Öffnen des Koffers die Farbe Rot an. Dann enthält die neue innere Natur diese Information. Aber nicht nur das. Sie enthält auch die Information, dass die Socke von Paul jetzt grün ist. Die neue innere Natur ist so wie alle inneren Naturen losgelöst vom Raum, daher bindet sie sowohl an den Ort von Alex in Mallorca als auch an den Ort von Paul in Izmir an. Die Anbindung in Izmir bewirkt, dass die Information, dass die Socke von Paul jetzt grün ist, in die räumliche Welt übergeht und die Socke von Paul verändert. Sie verliert ihren Superpositionszustand aus Grün und Rot und wird Grün. Das geschieht im gleichen Augenblick, wenn Alex in Mallorca seinen Koffer öffnet und eine Messung durchführt, indem er die Socke anschaut. Die Entfernung zwischen Alex und Paul spielt dabei absolut keine Rolle, Paul könnte sich auch auf einem Planeten in einer anderen Galaxie befinden.
So löst sich das Rätsel der Verschränkung, was sowohl die Existenz der inneren Welt als auch der inneren Natur der Materie begründet. Ich konnte daher dann zum zweiten Schritt übergehen. Denn mein Ausgangspunkt zur Erklärung des Bewusstseins war ja die gemäßigte Variante des Zwei-Aspekte-Monismus. Ich musste also zeigen, wie der Prozess aussieht, der aus der inneren Natur, die ja bei der gemäßigten Variante „nur“ Proto-Bewusstsein darstellt, Bewusstsein macht.