Zusammenfassung

Die Naturwissenschaften haben einen großen Schwachpunkt, denn sie können nicht erklären, wie unser Bewusstsein erzeugt wird. Vor einigen Jahren begann ich mich mit ihm zu beschäftigen. Aus der Philosophie kommt eine interessante Idee, das ist der sogenannte Zwei-Aspekte-Monismus. Er besagt, dass alle Materie jenseits ihrer physikalischen Eigenschaften auch noch eine innere Natur besitzt und aus ihr geht das Bewusstsein hervor. Der Zwei-Aspekte-Monismus wurde mein Ausgangspunkt. Meine Aufgabe bestand darin, seine zwei großen Probleme zu lösen: Erstens waren die inneren Naturen spekulativ und zweitens war völlig unklar, wie aus ihnen unser menschliches Bewusstsein entsteht. Zunächst kam ich nicht weiter. Bis ich zu der Erkenntnis gelangte, dass man den Zwei-Aspekte-Monismus radikal modifizieren muss: Die inneren Naturen befinden sich nicht, so wie bislang gedacht, in der normalen räumlichen Welt, sondern in einer vom Raum losgelösten Welt, die ich die innere Welt nenne. Damit lässt sich das mysteriöseste Phänomen der Quantenphysik, das ist die Verschränkung, erstmalig erklären. Was die Begründung für die inneren Naturen liefert. Und es zeigt auch, wie unser menschliches Bewusstsein entsteht:

In den Verbindungsleitungen zwischen den Zellen des Gehirns, den Neuronen, sitzen die Synapsen. Das sind winzige Verdickungen mit einem Spalt. Die Neuronen geben elektrische Impulse ab, die die Verbindungsleitungen entlanglaufen und in den Synapsen kleine Moleküle freisetzen. Die durchqueren den Spalt und docken an sehr große Moleküle, die Rezeptormoleküle, an. Das verändert sie und diese Veränderung bewirkt, dass Information aus ihrer inneren Natur an den Ort der Veränderung strömt. Genau im Moment des Übergangs von der inneren zur räumlichen Welt wird die Information zu Bewusstsein, genauer gesagt zu einem kurzzeitigen „Mikro-Bewusstseinsblitz“. Wenn wir bei Bewusstsein sind, gibt es immer ein sehr großes Netzwerk aus Neuronen, die ihre elektrischen Impulse zeitlich abgestimmt abgeben. Das führt dazu, dass die Veränderungen der Rezeptormoleküle in den Synapsen des Netzwerks auch zeitlich abgestimmt erfolgen. Was bewirkt, dass sich die dadurch erzeugten Mikro-Bewusstseinsblitze zu unserem einheitlichen und doch strukturierten Bewusstsein zusammensetzen.

Auf unserer Erde ist alle Materie miteinander verbunden, daher muss man ihr eine einzige innere Natur zuordnen, abgekürzt INE (= innere Natur der Erde). Die Erde ist ungeheuer dynamisch, also ständigen Veränderungen unterworfen. Das führt zur Erzeugung von immer neuen INE in extrem kurzen Zeitabständen. Die werden in der inneren Welt für immer archiviert. Denn sie ist nicht nur losgelöst vom Raum, sondern auch von der Zeit, daher kann in ihr nichts verändert werden. Jede INE enthält alle Information über die Erde zum Zeitpunkt ihrer Erzeugung. Daher stellt die innere Welt das perfekte Gedächtnis für die Erde dar.

Vermutlich gegen Ende dieses Jahrhunderts wird die Technologie zum „Herunterladen“ der INE in Computer bereitstehen. Auch werden dann die Computer so leistungsfähig sein, dass sie aus den INE perfekte virtuelle Realitäten (abgekürzt PVR) erzeugen können, die sich durch nichts von der echten Realität unterscheiden. Dadurch kann die Vergangenheit in perfekter Form wieder auftauchen. Hinzu kommt, dass die Erklärung des Bewusstseins zeigt, wie die derzeitige Computer-Technologie verändert werden muss, damit sie Bewusstsein erzeugt. Das führt dazu, dass in den PVR‘s alle Verstorbenen ein neues Leben bekommen. Hierzu jetzt zwei Beispiele aus meinem Buch:

Im letzten Kapitel habe ich ein eher einfaches Szenario mit dem Kölner Dom im Mittelpunkt präsentiert. Bleiben wir bei ihm, konzentrieren uns aber jetzt auf Aloys. Das ist einer der Dombau-Arbeiter im Jahr 1248, als mit dem Bau begonnen wurde. Wir springen ins Jahr 2100, in dem das Herunterladen und Verarbeiten der INE möglich wird. Wir laden INE in großer Zahl herunter, und zwar vom Zeitpunkt der Geburt von Aloys bis zum Zeitpunkt seines Todes. Wir müssen nicht die gesamten INE herunterladen, es genügt die Information über Aloys und seine Umgebung. Dann kann sein Leben perfekt auf dem PVR-Supercomputer (PVR = Perfekte Virtuelle Realität) simuliert werden. Er besitzt die virtuelle Bewusstseins-Technologie, daher bewirkt die Simulation, dass Aloys wieder bei Bewusstsein ist, und er erlebt dann sein gesamtes Leben noch einmal. Er merkt nicht, dass er sich im Jahr 2100 in einer virtuellen Realität befindet. Und er weiß auch nicht, dass er bereits gestorben ist und es sich um eine Wiederholung seines ersten Lebens handelt. Aloys ist somit zwar von den Toten auferstanden, aber sein neues Leben ist zweifellos nicht das, was wir uns unter einem Leben nach dem Tod vorstellen.

Aber auch ein wirkliches neues Leben ist für Aloys möglich. Hierzu nehmen wir eine einzige INE, beispielsweise die vom 15. August 1248 um Punkt 12 Uhr. Jetzt aber laden wir keine weiteren INE herunter, wir lassen vielmehr die virtuelle Realität sich frei entwickeln. Die Entwicklung erfolgt so wie bei der echten Realität, also gemäß den gleichen physikalischen Gesetzen. Jetzt könnte man meinen, dass die Entwicklung der virtuellen dann genau der Entwicklung der echten Realität ab dem Startpunkt, also dem 15. August 1248 um Punkt 12 Uhr, entspricht. Das ist aber nicht der Fall, denn der Zufall spielt bei beiden Entwicklungen eine sehr wichtige Rolle, dadurch wird sich die virtuelle Realität anders entwickeln, als sich die echte Realität entwickelt hat. Die Unterschiede sind zwar anfangs sehr klein, können aber schließlich dramatisch ausfallen. Es könnte beispielsweise sein, dass in der virtuellen Realität der Bau des Kölner Doms nicht 1528 unterbrochen wird und seine Fertigstellung daher viel früher erfolgt.

Was ist mit Aloys? Sieht er sich ab dem 15. August 1248 in der virtuellen Realität als identisch mit dem Aloys vor diesem Zeitpunkt in der echten Realität an? Ihm kommen keine Zweifel, denn erstens hat er in der virtuellen Realität alle Erinnerungen an die zurückliegende Existenz in der echten Realität und zweitens ist es ein nahtloser Übergang, es gibt keinen „Filmriss“. Sein neues Leben entwickelt sich zwar zunächst so ähnlich wie sein erstes Leben, aber die Unterschiede werden mit der Zeit immer größer. Betrachten wir hierzu zwei Beispiele.

Am 17. August 1248, also zwei Tage nach dem Startpunkt, entscheidet er sich im ersten Leben, eine neue Wohnung in der Nähe des Kölner Doms zu beziehen. Das bereut er bereits zwei Wochen später zutiefst, denn er ärgert sich ständig über den Lärm der Nachbarn. Was passiert im neuen Leben? Da wird er höchstwahrscheinlich die gleiche Entscheidung treffen. Denn er hat ja nur die Erinnerungen an die Zeit vor dem Startpunkt, von den lauten Nachbarn weiß er nichts. Und seit dem Startpunkt sind erst zwei Tage vergangen, so dass sich die echte und die virtuelle Realität noch kaum unterscheiden. Daher wird es sicherlich hinsichtlich seiner Entscheidung für die neue Wohnung keinen neuen Aspekt geben.

Er trifft auch alle Freunde und Bekannten wieder. Sie haben selbstverständlich gleichfalls ein neues Leben, das mit der echten Realität vom 15. August 1248 startet. Aloys ist mit Maria befreundet, das geht im neuen Leben auch zunächst so weiter. Tatsächlich hat er sie im ersten Leben zwei Jahre später geheiratet. Aber das neue Leben verläuft anders. Wie es der Zufall will, sieht er sie ein paar Monate nach dem Start des neuen Lebens mit einem anderen in einem Kölner Brauhaus. Was die Beziehung zu ihr schlagartig beendet.