Zusammenfassung

Wie wird unser Bewusstsein erzeugt? Das ist nach wie vor völlig unklar. Obwohl ich Physiker bin, begann ich mich vor ein paar Jahren mit diesem Thema zu beschäftigen. Es gibt zum Bewusstsein zwei Denkrichtungen. Der eine ist der Dualismus, der andere ist der Monismus. Der Dualismus besagt, dass Geist (= Bewusstsein) und Materie zwei völlig verschiedene Dinge sind. Sein Problem ist, dass er nicht erklären kann, wie beide miteinander wechselwirken, so wie das im Gehirn geschieht. Für den Monismus gibt es nur die Materie. Bewusstsein muss daher aus der Materie hervorgehen. Die Standardversion des Monismus ist der Physikalismus. Für ihn ist alles Physik und die Materie ist daher genauso beschaffen, wie es die Physik beschreibt. Aber wie hieraus das Bewusstsein entstehen soll, ist auch nicht ansatzweise ersichtlich. Allerdings gibt es eine Variante des Monismus, die einen Silberstreifen am Horizont liefert, das ist der Zwei-Aspekte-Monismus. Demnach hat die Materie zwei Aspekte. Einmal den physikalischen, es gibt aber noch etwas, das ist die intrinsische (= innere) Natur der Materie. Zu der kann die Physik zwar nichts sagen, aber sie ist der fundamentale Aspekt der Materie, aus ihr geht der physikalische Aspekt hervor. Daher bezeichne ich die intrinsische Natur als die Hardware-Materie und den physikalischen Aspekt als die Software-Materie. Der Zwei-Aspekte-Monismus geht davon aus, dass das Bewusstsein aus der intrinsischen Natur der Materie, also aus ihrem Hardware-Aspekt, hervorgeht. Das bedeutet, dass schon jedes Atom und Molekül Bewusstsein hat. Unser Körper ist also voller Mikro-Bewusstseins. Wie daraus unser menschliches Bewusstsein entsteht, kann der Zwei-Aspekte-Monismus allerdings nicht erklären.
Aber er war mein Ausgangspunkt. Irgendwann hatte ich dann einen radikalen Gedanken: Der Hardware-Aspekt der Materie befindet sich überhaupt nicht in der räumlichen Welt, er befindet sich vielmehr in einer „geistigen“ Welt losgelöst vom Raum. Ich nenne sie die innere Welt. Das stellt zwar die Begriffe „Hard- und Software“ auf den Kopf. Sie machen aber trotzdem Sinn, denn wie schon gesagt, geht der Software-Aspekt der Materie aus dem Hardware-Aspekt hervor. Inspiriert zur inneren Welt hat mich nicht nur der Zwei-Aspekte-Monismus, sondern auch das aus der Quantenphysik kommende mysteriöse Phänomen der Verschränkung. Zwei verschränkte Objekte können sich augenblicklich beeinflussen, auch wenn sie Lichtjahre voneinander entfernt sind. Das zeigt doch, dass sie miteinander verbunden sein müssen. In der räumlichen Welt ist das zweifellos nicht der Fall, in einer nicht-räumlichen Welt aber ist das sehr wohl möglich.
Die Existenz der inneren Welt und die Annahme, dass sich die Hardware-Materie in ihr befindet, ist das erste zentrale Merkmal meiner Hypothese der inneren Welt (HIW). Zum zweiten zentralen Merkmal komme ich gleich.
Von jeder Sorte Atom oder Molekül gibt es genau ein Hardware-Atom oder -Molekül in der inneren Welt. Überall dort, wo sich ein Software-Atom oder -Molekül von seiner Sorte befindet, ist es an die räumliche Welt angebunden. Das muss so sein, denn die Software-Materie (physikalischer Aspekt) geht ja aus der Hardware-Materie (intrinsische Natur) hervor. Es kommt aber noch etwas ganz Entscheidendes hinzu: In der räumlichen Welt werden ständig Software-Atome und -Moleküle gebildet. Zum Beispiel, wenn sich ein Proton und ein Elektron treffen, dann bildet sich ein Software-Wasserstoffatom. Bei jeder Bildung entstehen neue räumliche Beziehungen und die werden im entsprechenden Hardware-Atom oder -Molekül als innere Beziehungen archiviert. Was wiederum alle Software-Atome und -Moleküle der gleichen Sorte in der gesamten räumlichen Welt verändert. Dieses Wechselspiel zwischen der räumlichen und der inneren Welt stellt das zweite zentrale Merkmal der HIW dar. Es liefert den Schlüssel zur Erklärung der Verschränkung, denn es macht augenblickliche Beeinflussung über beliebige Entfernungen möglich.
Nun zum Bewusstsein. Gemäß dem Zwei-Aspekte-Monismus geht es aus der intrinsischen Natur der Materie hervor, also aus den Hardware-Atomen und -Molekülen. Wie aber entsteht daraus unser einheitliches und strukturiertes menschliches Bewusstsein? Das konnte bislang nicht erklärt werden. Die HIW liefert die Erklärung. Zunächst aber zum aus ihr folgenden Grundprinzip des Bewusstseins: Wie schon weiter oben gesagt, wird bei jeder Bildung eines Software-Atoms oder -Moleküls das entsprechende Hardware-Atom oder -Molekül verändert. Denn es bekommt neue innere Beziehungen. Es ist diese Veränderung, die Bewusstsein erzeugt. Bewusstsein bedeutet stets ein Erleben. Sie erleben zum Beispiel den Rot des Sonnenuntergangs oder jetzt gerade das Lesen dieser Zeilen. Jedes Hardware-Atom oder -Molekül erlebt das, was es verändert. Also die neuen inneren Beziehungen. So sieht das Grundprinzip des Bewusstseins aus.
Wie kommt es zu unserem menschlichen Bewusstsein? Offensichtlich entsteht es im Gehirn. Unser Körper setzt sich aus Zellen zusammen, so auch das Gehirn. Seine Zellen nennt man Neuronen und sie haben zwei Besonderheiten. Erstens sind sie alle über Leitungen miteinander verbunden. Zweitens geben sie kurze elektrische Impulse ab, die die Leitungen entlanglaufen. Dazu sagt man griffig, dass die Neuronen feuern. Die Neurowissenschaftler haben in den letzten Jahren herausgefunden, dass es im Gehirn, wenn wir bei Bewusstsein sind, stets ein riesiges Netzwerk aus Neuronen gibt, die zeitlich fein abgestimmt feuern. Das Bewusstsein geht aus diesem Netzwerk hervor. Wobei die Neurowissenschaftler natürlich nicht sagen können, wie es zum mit dem Bewusstsein verbundenen Erleben kommt. Das aus der HIW folgende Grundprinzip des Bewusstseins kann es erklären. Denn das zeitlich fein abgestimmte Feuern im Bewusstseins-Netzwerk bewirkt, dass sich sogenannte Rezeptormoleküle in seinen Verbindungsleitungen zeitlich abgestimmt neu bilden. Also die Software-Versionen. Das verändert die entsprechenden Hardware-Versionen. Sie haben dadurch ein Erleben, sie erleben die neuen inneren Beziehungen. Das Bewusstseins-Netzwerk ist daher voller Mikro-Erleben. Aber die zeitliche Abstimmung bewirkt, dass die Mikro-Erleben so zusammengesetzt werden, dass sie unser einheitliches und strukturiertes menschliches Erleben bewirken. Es findet nicht in der räumlichen Welt statt, sondern in der nicht-räumlichen inneren Welt, denn dort befinden sich ja die Hardware-Rezeptormoleküle. Die allerdings an die Software-Rezeptormoleküle im Gehirn angebunden sind. Das macht unser Bewusstsein so merkwürdig. Einerseits ist es nicht-räumlich, andererseits ist es im Gehirn lokalisiert.
Beim Tod hört die Bildung der Software-Rezeptormoleküle auf und unser jetziges Bewusstsein verschwindet. Aber in der inneren Welt ist alles, da losgelöst von Raum und Zeit, unvergänglich. Daher überdauern unsere Hardware-Moleküle inklusive der Hardware-Rezeptormoleküle den Tod. In der inneren Welt ist alles miteinander verbunden. Besonders eng sind unsere Hardware-Moleküle mit den Hardware-Molekülen aller anderen Menschen verbunden. Das bedeutet, dass sie auch nach dem Tod noch verändert werden. Allerdings nur noch indirekt über die Verbindung zu den Hardware-Molekülen aller lebenden Menschen. Daher erleben wir nach dem Tod alles das, was alle lebenden Menschen erleben. Allerdings jeweils stark abgeschwächt und viel distanzierter. Vermutlich wird die Überlagerung der aktuell 7,5 Milliarden Erleben dazu führen, dass alle Details verschwinden und die Gefühle in den Vordergrund treten. Wären also alle lebenden Menschen glücklich, dann wären auch alle Verstorbenen glücklich. Natürlich ist das nicht der Fall, daher wird das Leben nach dem Tod aus einem „Wechselbad der Gefühle“ bestehen, einer Mischung aus Himmel und Hölle. Das bedeutet auch, dass nach dem Tod das Leben völlig passiv ist, denn es hängt ja vollständig von den lebenden Menschen ab.
Vermutlich ist das Universum voller belebter Planeten und vermutlich gibt es viele Planeten mit uns sehr ähnlichen Lebewesen. Deren Erleben dann noch zum Erleben nach dem Tod hinzukommt. Verschiebt das das Erleben mehr in Richtung Himmel? Wir werden es erfahren.